Erica Wallach


Erica Wallach:

Erica Wallach wurde Opfer einer im gesamten Ostblock durchgeführten Säuberungskampagne.

Als Elisabet Kamens wurde sie im Februar 1922 Hinterpommern geboren. Ihre Eltern emigrierten 1936 aus politischen Gründen nach Spanien. Nach dem Sieg der Franco-Truppen wurde die Familie Anfang 1939 im französischen Lager Le Boulou interniert, wo sie schwer erkrankte. Bei einem Besuch der Völkerbundkommission konnten sie und ihre Mutter fliehen. Die mittellose Tochter kam in die Obhut eines in der Schweiz lebenden amerikanischen Ehepaars. Während ihres dortigen Studiums kam sie mit zahlreichen Emigranten der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in Kontakt, die sie zur illegalen Parteiarbeit nutzten. 1945 trat sie selbst der Partei bei und arbeitete bis zu ihrem Austritt 1948 unter anderem als Redakteurin des Funktionärsorgans Wissen und Tat. Sie heiratete damals den amerikanischen Offizier Robert R. Werner und bekam zwei Kinder.

Als ihr Adoptivvater in Polen als angeblicher US-Spion verhaftet wurde, reiste sie nach Ost-Berlin, um nach ihm zu suchen. Im August 1950 wurde sie daraufhin selbst verhaftet. Sie kam zunächst in das damalige Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes in der Berliner Albrechtstraße und im April 1951 in die zentrale sowjetische Untersuchungshaftanstalt nach Berlin-Karlshorst. Im August verlegte man sie in das Stasi-Gefängnis nach Berlin-Hohenschönhausen, wo sie über ein Jahr im U-Boot in Isolationshaft war und unter anderem von Erich Mielke verhört wurde.

Im September 1952 wurde sie erneut nach Karlshorst gebracht. Um sie zu belastenden Aussagen zu zwingen, wurde sie während ihrer Haft u.a. durch Schlafentzug, Kälte und Schläge gefoltert. Heiligabend 1952 verurteilte sie das sowjetische Militärtribunal in Berlin-Lichtenberg wegen Spionage zum Tode. Wenig später wurde sie in das Moskauer Butyrka-Gefängnis verlegt, wo sie sechs Monate allein in einer Todeszelle verbrachte. Nach Stalins Tod wurde sie im Juli 1953 zu 15 Jahren Lagerhaft „begnadigt“, die sie in der Straflagerregion Workuta u.a. als Zwangsarbeiterin beim Eisenbahnbau verbringen musste.

1955 hoben die sowjetischen Behörden das Urteil auf, eine Entschädigung lehnte sie ab. Von Moskau wurde sie damals nach Ost-Berlin gebracht und in den Westteil der Stadt abgeschoben. Auch ihr Adoptivvater wurde aus der Haft entlassen, teilweise rehabilitiert und finanziell entschädigt.

Die amerikanischen Behörden verweigerten Elisabet Werner im Anschluss die Einreise in die USA, wo ihre Familie lebte. Man verdächtigte sie weiterhin, eine sowjetische Agentin zu sein. Nachdem sie im März 1958 vor einem Ausschuss für unamerikanische Aktivitäten aussagte, durfte sie jedoch wieder zu ihren Angehörigen.

Bis zu ihrem Tod 1993 arbeitete sie als Lehrerin in Warrenton.


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