Christian Kunert


Christian Kunert:

Christian Kunert wurde am 20. Mai 1952 in Leipzig geboren. Die Großeltern sind evangelische Pfarrer, der Vater war Arzt (Suizid 1956) und die Mutter Konzertpianistin. Von 1961 bis 1965 singt er im berühmten Leipziger Thomanerchor. Nach wiederholtem Ärger mit dem Thomaskantor verlässt er nach der achten Klasse freiwillig den Chor und erhält als Gegenleistung die Zulassung zur Erweiterten Oberschule, obwohl er mäßige Zensuren hat und kein Mitglied in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ist. Neben dem Abitur macht er eine Lehre als Betriebsschlosser im Reichsbahnausbesserungswerk Engelsdorf. In der elften Klasse tritt er kurzzeitig in die FDJ ein, um etwas zu bewirken. Als Jugendlicher spielt er in diversen Bands; seine erste 1964 gegründete Band heißt The Little Stars. 1970 nimmt er, nach erfolgreichem Abitur, ein Studium zum Musik- und Deutschlehrer auf, da er nicht zur Armee gehen will. Lehrer werden gerade so dringend gebraucht, dass sie sofort studieren dürfen. Er wechselt zur Musikhochschule Leipzig, Hauptfach Posaune und Nebenfach Klavier. Ab 1971 war Christian Kunert Keyboarder der Klaus Renft Combo, die im Zuge einer liberaleren Kulturpolitik in den folgenden Jahren neben den Puhdys zu einer der beliebtesten und berühmtesten Bands der DDR aufsteigt. Dort lernt er Gerulf Pannach kennen, der seit 1969 Texte für die Band schreibt und während der Renft-Konzerte solo seine eigenen Lieder vorträgt. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zu ihm. 1975 verbietet die SED-Partei die Gruppe Renft endgültig, nachdem sie vorher mehrere kurzzeitige Auftrittsverbote gegen die Band verhängt hatte. Danach erarbeiten Christian Kunert und Gerulf Pannach ein neues Programm, das ebenfalls nicht genehmigt wird. Statt auf der Bühne zu stehen, stapeln die beiden Musiker beim Obst- und Gemüsehandel Kisten. Nach deren Verbot 1975 konnte er nur noch bei inoffiziellen Anlässen auftreten. Das tat er meist zusammen mit dem früheren Texter der Klaus Renft Combo Gerulf Pannach sowie dem Schriftsteller Jürgen Fuchs und der Liedermacherin Bettina Wegner. 1976 unterschreibt Christian Kunert nach der Biermann-Ausbürgerung im November den Offenen Brief der Berliner Künstler. Hierin bitten die Unterzeichner, die Ausbürgerung des DDR-Liedermachers rückgängig zu machen. Zu Wolf Biermann sowie zu Robert Havemann bestanden im Vorfeld bereits persönliche Kontakte.

Am 21. November 1976 wurde Christian Kuhnert zusammen mit Jürgen Fuchs und Gerulf Pannach von der Stasi auf offener Straße verhaftet, erst in die Magdalenenstraße und dann in die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nach Berlin-Hohenschönhausen verbracht. Dort wurde er über mehrere Monate hinweg verhört und bedrängt, die DDR statt einer ihm angedrohten langjährigen Haftstrafe durch das Einwilligen in eine vorzeitige Ausreise in den Westen zu entkommen.

1977 reist Christian Kunert am 26. August zusammen mit Gerulf Pannach und Jürgen Fuchs nach West-Berlin aus. Als Duo Pannach & Kunert geht Christian Kunert im Westen auf Tour und produzieret mehrere Alben. Nebenher schreibt Kunert Musik für Theater, Fernsehen und Kino, ist Straßenkehrer und Statist, spielt Kabarett und produziert mit Gerulf Pannach ein Musical. In einer Phase 1993 zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück und war Pensionsvater im Haus Wünscheruh im Oberharz. 1999 erschien das Album „Als ob nichts gewesen wär“ von Renft, das schon für 1975 geplant war. Christian Kunert konnte nicht widerstehen und geht mit den „alten Herren“ wieder auf Tournee. 2006 verlor er teilweise sein Hörvermögen und zog sich vom aktiven Musikgeschäft zurück. Seit 2007 trat Christian Kunert wieder vereinzelt auf. Er veröffentlichte seither 2 CDs mit eigenen Texten.

Christian Kunert auf seiner eigenen Seite im Web.

Platten / Fuchs, Pannach, Kunert: Für uns, die wir noch hoffen, CBS, 1977 / Pannach und Kunert live in Schweden: Sänger mot Rädslan, 1978
Pannach und Kunert, CBS, 1979 / Pannach und Kunert: Fluche Seele, fluche, MOOD Records 1982 / als CD bei Nebelhorn/Buschfunk, 1996 / Pannach und Kunert live: Pretty Woman guck nicht so!, Bluesong, 1991 /

CD / Gerulf Pannach: Yorck 17, BMG Ariola, 1996 / Pannach und Kunert: Gib mir 'ne Hand voll Glück. Live 1977–1993, Buschfunk, 2000 / Für uns, die wir noch hoffen. Lieder von Gerulf Pannach & Christian Kunert. Prosa von Jürgen Fuchs. Leipzig 1976, West-Berlin 1977. Herausgegeben von Doris Liebermann und Bodo Strecke. Hörbuch, 3 CDs, Marktkram, 2013.


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