Bärbel Bohley


Bärbel Bohley:

Bärbel Bohley zählte zu den führenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution der DDR im Herbst 1989. In Berlin 1945 geboren, studierte sie von 1969 bis 1974 Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Als freischaffende Malerin hatte sie in der Folgezeit verschiedene Ausstellungen im In- und Ausland. 1982 wurde sie Mitbegründerin der SED-kritischen Gruppierung "Frauen für den Frieden", die zu der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR zählte.

Wegen ihres Engagements gegen das neue Wehrdienstgesetz der DDR, das auch Frauen zu militärischen Aufgaben verpflichtete, wurde sie 1983 aus dem Berliner Bezirksvorstand des Verbandes Bildender Künstler (VBK) ausgeschlossen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) observierte sie im Operativen Vorgang „Bohle“. Im November 1983 wurde sie, zusammen mit Ulrike Poppe, unter dem Vorwurf angeblicher "landesverräterischer Nachrichtenübermittlung" verhaftet.

Aufgrund internationaler Proteste wurde sie jedoch nach sechswöchiger Untersuchungshaft im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen im Januar 1984 ohne Prozess wieder entlassen. 1985 gründete sie mit anderen Bürgerrechtlern der DDR die SED-kritische "Initiative Frieden und Menschenrechte". Nachdem die Stasi im Januar 1988 mehrere Teilnehmer an einer offiziellen Demonstration für die 1918 ermordeten Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht festnahm, weil sie ungenehmigte Transparente bei sich führten, wurde auch Bärbel Bohley verhaftet, die gegen dieses Vorgehen protestiert hatte.

Anschließend wurde sie mit einem befristeten Visum für sechs Monate nach Großbritannien abgeschoben. Nach langwierigen Verhandlungen konnte sie wieder in die DDR einreisen und initiierte im Sommer 1989 die Gründung des "Neuen Forums", eine unabhängige Sammlungsbewegung, die eine Demokratisierung der DDR forderte.

Nach dem Sturz der SED-Diktatur trat sie in verschiedenen politischen Gremien und Organisationen für eine basisdemokratische Politik ein und wandte sich gegen eine Umwandlung der Bürgerbewegungen in traditionelle Parteien. 1991 zog sie sich aus der aktiven Politik zurück und wirkte unter anderem als Beauftragte der Europäischen Union in Sarajevo. 1996 beteiligte sich Bohley an der Gründung des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur, dessen Vorsitzende sie von 1996 bis 2006 war.

 

Literatur: Bohley, B.: Wir mischen uns ein: Ideen für eine gemeinsame Zukunft (1998).

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