Arthur Trüschel


Arthur Trüschel:

Arthur Trüschel verweigerte zuerst einen Werbungsversuch des MfS. Am Ende wurde seine offene Sprache auf einer privaten Feier bei einem Freund in Ostberlin durch den IM Manfred Salow dem MfS direkt zugetragen.

Arthur Trüschel stammt aus der Familie eines Zigarrenfabrikanten und wurde 1926 in Lübben geboren. Nach Kriegsende, die Fabrik gab es nicht mehr, der Vater war verstorben, konnte Arthur Trüschel  sich zum Neulehrer ausbilden lassen.
1947 wurde er Mitglied der CDU. Ebenso begeistert wie er den Lehrerberuf ausübte, blieb er immer unangepasst und eigensinnig gegenüber dem DDR-Staat sowie den ideologischen und erzieherischen Vorgaben.

1980 nahm - nach vielen Jahrzehnten - sein alter Schulfreund Eberhard Grashoff aus der Bundesrepublik wieder zu ihm den alten Kontakt auf. Er war  jetzt  als Pressesprecher bei der  "Botschaft", bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik, in der DDR beschäftigt  und wohnte in Ostberlin. Die Stasi wurde sofort darauf aufmerksam und versuchte, Trüschel umgehend als inoffiziellen Mitarbeiter (IM zu werben. Trüschel lehnte den Spitzeldienst ab und informierte auch seinen Freund über diesen Werbungsversuch. Zwischen 1980 und 1982 trafen sich Trüschel und Grashoff regelmäßig, unter anderem in Grashoffs Ostberliner Wohnung. Anläßlich einer kleinen privaten Feier bei Grashoff führte Trüschel offensichtlich vergnügt seine bekannten läßlich, sarkastischen Reden, die von dem IM Manfred Salow direkt dem MfS, der Staatssicherheit zugetragen wurden und zu seiner Verhaftung führten.  

Arthur Trüschel wurde im März 1982 vom MfS verhaftet und in die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR nach Berlin-Hohenschönhausen für 5 Monate verbracht.

Sein längerer Aufenthalt im zentralen Haftkrankenhaus des MfS stand in Verbindung mit einer von Arthur Trüschel vorgespielten geistigen Unzurechnungsfähigkeit. Damit wehrte er sich gegen den Zugriff des MfS.  
Arthur Trüschel wurde nach der Untersuchungshaft nach § 97 DDR-StGB wegen "mehrfach begangener Spionage" zu fünf Jahren Haft verurtelt. Er verbüßte die Strafe in der StVA in Bautzen II. Im Juni 1984 wurde für 96000 D-Mark von der Bundesrepublik freigekauft gelangte so im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. 1992 kehrte er zusammen mit seiner Frau in seine Heimatstadt Lübben zurück.

Inzwischen hatte ein hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter auf Trüschels  Grundstück sein Haus gebaut. Arthur Trüschel erfocht nach der Wiedervereinigung das Familieneigentum in Form von mehreren Siedlungshäusern zurück, die der Zigarrenfabrikant vor dem 1. Weltkrieg für seine Belegschaft bauen ließ. Die Häuser sind denkmalgeschützt und gehören jetzt zur Arthur Trüschel Stiftung.

Literatur: "Das Narrenhaus" von Arthur Trüschel. 3 Auflage 2003, 400 Seiten, erschienen im Hermsverlag Lübben.


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