Wörterbuch der Staatssicherheit Seite 329 / 4


Quartier für negativ dekadente Jugendliche Räumlichkeiten, die von negativ dekadenten Jugendlichen zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden und deshalb politisch-operativ bedeutsam dind.
Das Quartier dient u.a.
— zum Treffen von Gleichgesinnten, der Realisierung privater Freizeitbedürfnisse (Saufen, Gelage, Orgien),
— zum Austausch von Meinungen, der Übergabe von Mitteilungen für geplante Treffen bzw. zu besuchende Veranstaltungen u. a. Vereinbarungen,
— zur zeitweiligen Unterbringung bzw. Übernachtung, zum Teil unter Umgehung der polizeilichen Meldepflicht,
— zum zeitweiligen Unterschlüpfen von Personen, die sich der Kontrolle und Fahndung entziehen wollen,
— zur Aufrechterhaltung von Verbindungen innerhalb negativ dekadenter Personenkreise wie Tramper, negativer Gruppierungen u. a.
Quartiere können sein:
— Wohnungen negativ dekadenter Jugendlicher,
— leerstehende Wohnungen in Abrißhäusern,
— Einfamilienhäuser mit angrenzenden Nebengelassen,
— ungenutzte Scheunen oder zerfallene Bauerngehöfte,
— Gartenlauben u. a. Gelasse,
— Übernachtungsquartiere für Tramper in kirchlichen Einrichtungen.
Aufgrund der Gefährlichkeit und operativen Bedeutsamkeit sind derartige Quartiere, die von negativ dekadenten Jugendlichen genutzt werden, umgehend zu liquidieren. Das kann erfolgen durch
— sofortige Einflußnahme auf Räumung der Wohnung bzw. Liquidierung des Quartiers,
— Einschalten der Wohnungsverwaltung, der Hygiene u. a. staatlicher Organe.
Personen, die negativ dekadenten Jugendlichen derartige Quartiere zur Verfügung stellen, sind operativ zu bearbeiten.1




1 Definition: Quartier für negativ dekandente Jugentliche / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 329.