Wörterbuch der Staatssicherheit Seite 326 / 4

Stasi-Wörterbuch Seite 327 / 1



Provokation, feindliche eine Methode im System der Feindtätigkeit zur bewußten Herausforderung von Personen, staatlichen Organen, gesellschaftlichen Organisationen sowie Einrichtungen zu Handlungen, die in bestimmten Situationen zu Nachteilen für den Herausgeforderten führen können. Die Provokation erfolgt mittels politischer, ideologischer, ökonomischer oder militärischer Konfrontation, unter anderem durch Falschmeldung in Massenmedien, Machtdemonstration, Verletzung völkerrechtlicher oder innerstaatlicher Regelungen sowie weitere entsprechende Verhaltensweisen von Einzelpersonen oder Personenzusammenschlüssen. Fremde Mächte, deren Einrichtungen oder Vertreter, Geheimdienste, ausländische Organisationen oder deren Helfer sowie feindlich-negative Personen bedienen sich der Provokation besonders, um die sozialistischen Staaten und deren Regierungen, ihre staathchen Organe, die Partei der Arbeiterklasse und gesellschaftliche Organisationen sowie Einrichtungen zu Handlungen zu veranlassen, die der feindlichen Politik entgegenkommen bzw. die vom Feind in seiner gegen die DDR und ihre Verbündeten gerichteten Tätigkeit mißbraucht werden können oder die auf sonstige Weise den Rechten und Interessen der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung Schaden zufügen. In der politisch-operativen Arbeit wird im wesentlichen unterschieden zwischen Provokationen
— als politische Strategie des Imperialismus, um die sozialistischen Staaten zu falschen Reaktionen zu bewegen,
— als Handlungsvariante ausländischer Stellen und Personen, um zu testen, ob und wie eine Reaktion der Organe des sozialistischen Staates erfolgt,
— zur Inspirierung feindlich-negativen Verhaltens von Personen und Personenzusammenschlüssen.
s. a. Grenzprovokation1




1 Definition: Provokation, feindliche / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 326, 327.