Wörterbuch der Staatssicherheit Seite 323 / 2

Stasi-Wörterbuch Seite 324 / 1


Politisch-ideologische Diversion Bestandteil der gegen den realen Sozialismus gerichteten — > Subversion des Feindes, der die subversiven Angriffe auf ideologischem Gebiet umfaßt.
Mit der politisch-ideologischen Diversion strebt der Feind in einem langfristig angelegten, mehrstufigen Prozeß subversive Ziele an. Sie bestehen in der Zersetzung des sozialistischen Bewußtseins bzw. der Störung und Verhinderung seiner Herausbildung, in der Untergrabung des Vertrauens breiter Bevölkerungskreise zur Politik der kommunistischen Parteien und der sozialistischen Staaten, in der Inspirierung antisozialistischer Verhaltensweisen bis hin zur Begehung von Staatsverbrechen, in der Mobilisierung feindlich-negativer Kräfte in den sozialistischen Staaten, in der Entwicklung einer feindlichen, ideologischen, personellen Basis in den sozialistischen Staaten zur Inspirierung politischer — > Untergrundtätigkeit sowie im Hervorrufen von Unzufriedenheit, Unruhe, Passivität und politischer Unsicherheit unter breiten Bevölkerungskreisen.
Die der Durchsetzung der imperialistischen Globalstrategie dienenden und durch Antikommunismus und Antisowjetismus charakterisierten subversiven Angriffe richten sich besonders gegen die politische Macht der Arbeiterklasse und ihre marxistisch-leninistischen Parteien, den Marxismus-Leninismus als Weltanschauung der Arbeiterklasse in seiner Gesamtheit, die Rolle und Stellung der UdSSR und der KPdSU in der sozialistischen Staatengemeinschaft und im Friedenskampf, den proletarischen Internationalismus und die Einheit und Geschlossenheit der europäischen und internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung.
Durch die politisch-ideologische Diversion sollen folglich die ideologische Substanz und die verfassungsmäßigen Grundlagen in den sozialistischen Staaten zersetzt werden, um letztendlich die Restauration imperialistischer Verhältnisse in den sozialistischen Staaten in Gang zu setzen. Die politisch-ideologische Diversion wird von speziellen Organen, Einrichtungen und Kräften imperialistischer Staaten, den Zentren der politisch-ideologischen Diversion vorgetragen.
Zur Erreichung ihrer Ziele bedienen sie sich der modernsten Erkenntnisse und Errungenschaften von Wissenschaft (u. a. Psychologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaft) und Technik, insbesondere im Bereich der Massenmedien. Sie wenden eine Vielfalt von Mitteln und Methoden an, insbesondere die Massenmanipulierung, wie z. B. das Verbreiten von Lügen und Halbwahrheiten, das Verfälschen, Entstellen von Tatsachen usw. und die verstärkte Nutzung von Kontakten im Rahmen der gegnerischen — > Kontaktpolitik/Kontakttätigkeit. Im Ergebnis der subversiven ideologischen Angriffe und in Abhängigkeit von vielfältigen individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen, die im Bewußtsein von Personen verarbeitet werden, können sehr differenzierte Auswirkungen der politisch-ideologischen Diversion eintreten. Sie umfassen u. a. Bewußtseinsveränderungen, Handlungsbereitschaften oder aktive Handlungen im Sinne der vom Feind verfolgten Ziele.
Die politisch-ideologische Diversion widerspricht den Normen des Völkerrechts. Sie wird insbesondere durch — > Einmischung in die inneren Angelegenheiten sozialistischer Staaten gekennzeichnet. Zur Realisierung der Ziele der politisch-ideologischen Diversion erfolgt ein immer engeres Zusammenwirken der Zentren der politisch-ideologischen Diversion mit den imperialistischen Geheimdiensten.1




1 Definition: Politisch-ideologische Diversion / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 323, 324.