Wörterbuch der Staatssicherheit Seite 320 / 2


Phantasie der spezifisch menschliche Prozeß und die Fähigkeit, aus den durch die Wahrnehmungen vermittelten Abbildern der Realität, durch ihre Umwandlungen und Kombination neue bildhafte Vorstellungen zu schaffen. Mit Hilfe der Phantasie kann der Mensch sich "ein Bild machen" von selbst noch nie Wahrgenommenem, ist er in der Lage, Ereignisse und Erscheinungen der Zukunft vorwegzunehmen, damit die Wirklichkeit tiefer zu begreifen. In der politisch-operativen Arbeit ist schöpferische Phantasie erforderlich, denn Entwerfen von Varianten, Entwickeln von operativen Kombinationen, Aufbau von Legenden, Planung komplexer operativer Maßnahmen und Aufklärung der Pläne und Absichten des Gegners setzen hohe Einbildungskraft und ausgeprägtes Vorstellungsvermögen voraus und verlangen andererseits genaue Kenntnisse der Realität im entsprechenden Bereich. Die Phantasterei als wuchernde Phantasie, die sich im Bilden immer wirklichkeitsfremder Vorstellungen und Illusionen verliert und die realen Bindungen des praktischen Kampfes mißachtet, führt zu wirklichkeitsfremden Spekulationen und groben Fehlern bei der Planung operativer Prozesse.1




1 Definition: Phantasie / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 320.