Wörterbuch der Staatssicherheit Seite 305 / 1


Pannenauswertung, geheimdienstliche spezifische Form der Analyse und Auswertung von Ursachen, begünstigenden Bedingungen und Folgen der Nichterreichung geheimdienstlicher Zielstellungen. Die sorgfältige Auswertung sogenannter nachrichtendienstlicher Pannen, d. h. vor allem die Festnahme von Agenten durch sozialistische Sicherheitsorgane, das Entdecken anderweitiger geheimdienstlicher Tätigkeit und auch das Eindringen von sozialistischen Kundschaftern in ihr Agenturnetz und in ihre Dienststellen und Zentralen, erfolgt durch die Geheimdienste nach bestimmten Gesichtspunkten. Sie beinhalten z. B. je nach Art der Panne:
— die Suche nach eigener, psychologisch verhaltenstaktischer und sicherheitsmäßiger Fehlleistung bei der Werbung und Steuerung des betreffenden Agenten,
— die Rekonstruktion und Auswertung des Erkennens, der Bearbeitung und der Festnahme inhaftierter Agenten durch die sozialistischen Sicherheitsorgane und
— die Einleitung von Maßnahmen, die je nach dem Vorkommnis bzw. der angenommenen oder nachprüfbaren Preisgabe des real möglichen Wissens festgenommener Spione, erkannter Kundschafter usw. zur Gewährleistung der Sicherheit der betroffenen Geheimdienste und damit im Zusammenhang stehender Einrichtungen oder weiterer Quellen für notwendig erachtet werden.
Die Pannenauswertung dient folglich vor allem der Verhinderung eines Wiederholungsfalls und der Erhöhung der Sicherheit künftiger geheimdienstlicher Tätigkeiten sowie der dazu eingesetzten Kräfte, Mittel und Methoden.1




1 Definition: Pannenauswertung, geheimdienstliche / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 305.