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Ostforschung ein gegen die sozialistische Staatengemeinschaft und die wachsende Ausstrahlungskraft des realen Sozialismus auf die Bevölkerung der imperialistischen Staaten gerichtetes Mittel der aggressiven, konterrevolutionären Politik des Imperialismus zur Analyse sich im realen Sozialismus vollziehender Entwicklungen, zur Ausarbeitung von gegen die sozialistischen Staaten gerichteten konterrevolutionären Konzeptionen und antikommunistischen Leitbilder zur Manipulierung der Bevölkerung der imperialistischen Staaten.

Als ein maßgeblicher konzeptionsbildender und ideologieproduzierender Bereich des imperialistischen Herrschaftssystems nimmt die imperialistische Ostforschung in dem umfangreichen System subversiver Tätigkeit des Imperialismus gegen die sozialistischen Staaten — eng verknüpft mit der Spionagetätigkeit der imperialistischen Geheimdienste und einer Vielzahl weiterer feindlicher Organisationen — einen wichtigen Platz ein.

Im Zusammenhang mit dem wachsenden Zwang des Imperialismus zur Anpassung an seine veränderten Existenzbedingungen und den dadurch bedingten Modifizierungen seiner konterrevolutionären Strategie und Taktik unterliegt auch die Ostforschung Veränderungen in ihren Funktionen und Aufgaben, ihrer Organisation und den von ihr angewandten Mitteln und Methoden.

Ursprünglich nur auf die Erforschung der osteuropäischen Länder gerichtet, veränderte und erweiterte sich die imperialistische Ostforschung besonders im Zusammenhang mit der in den 50er Jahren im Rahmen der Politik des Kalten Krieges vollzogenen Neuprofilierung der psychologischen Kriegsführung und der Herausbildung des Systems der — > politisch-ideologischen Diversion.

Mitte der 50er bis Anfang der 60er Jahre bildete sich die "Sowjetologie" als eine neue "wissenschaftliche Disziplin" innerhalb der Ostforschung heraus, deren Forschungsgegenstand der Marxismus-Leninismus und die kommunistische Weltbewegung im globalen Maßstab war.

Im Gefolge der Niederlage der aggressiven und konterrevolutionären, auf Einverleibung der DDR in den Herrschaftsbereich des BRD-Imperialismus gerichteten Nachkriegspolitik und der beginnenden Umstellung auf ein langfristiges, schrittweises "Aufweichen" und "Zersetzen" der Grundlagen der sozialistischen Gesellschaftsordnung und die konterrevolutionäre Untergrabung der politischen Machtverhältnisse in der DDR, wurde in der 2. Hälfte der 60er Jahre die "DDR-Forschung" als ein relativ selbständiger Zweig der Ostforschung des BRD-Imperialismus entwickelt.

Bei der Konzipierung und Durchsetzung der Politik des BRD-Imperialismus gegenüber der DDR unter der neorevanchistischen Doktrin vom "Offenhalten der deutschen Frage" hat die "DDR-Forschung" in enger Verbindung mit den Geheimdiensten und anderen Einrichtungen des imperialistischen Herrschaftssystems wichtige Aufgaben zu erfüllen.

Die "Ost- und DDR-Forschung" der BRD ist fest in das System der Feindtätigkeit integriert und schafft wesentliche Voraussetzungen für die Organisierung und Durchführung der subversiven Tätigkeit des Feindes gegen die sozialistischen Länder.

Funktionen der Ostforschung sind:
— Analyse und Auswertung der sich in der sozialistischen Staatengemeinschaft vollziehenden Entwicklungen u. a. auf politischem, ökonomischem, militärischem und kulturellem Gebiet, um daraus gezielte Maßnahmen für die Organisierung und Durchführung subversiver Angriffe gegen die sozialistischen Staaten zur Realisierung des konterrevolutionären Konzepts der langfristigen Aufweichung, Zersetzung und Beseitigung des Sozialismus abzuleiten;
— Ausarbeitung antikommunistischer Leitbilder, die zur Manipulierung der Bevölkerung des eigenen Landes bzw. für die psychologische Kriegsführung und die politisch-ideologische Diversion gegenüber den sozialistischen Staaten eingesetzt werden;
— aktive Mithilfe bei der Durchsetzung der Ostpolitik in Form der Mitarbeit in den Planungsstäben des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems, der Mitarbeit im politisch-ideologischen Bereich sowie in der Zusammenarbeit mit imperialistischen Geheimdiensten.

Der erhöhte Stellenwert der Ostforschung im antikommunistischen Konzept des Imperialismus findet seinen Ausdruck in der Schaffung staatlicher Führungsorgane und -einrichtungen für die stabsmäßige Leitung der Ostforschung und ihre Effektivierung.

Die imperialistischen Hauptmächte streben auf staatlicher Ebene nach Koordinierung ihrer Ostforschung und nach Austausch der "Forschungsergebnisse".1




1 Definition: Ostforschung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 300, 301, 302.