Wörterbuch der Staatssicherheit Seite 296 / 3

Stasi-Wörterbuch Seite 297 / 1



Operativer Vorgang; Ziele der Bearbeitung gedankliche Vorwegnahme der im Operativen Vorgang — entsprechend den Verdachtsgründen — zu erreichenden Arbeitsergebnisse.
Die Ziele werden abgeleitet aus der politisch-operativen und strafrechtlichen Einschätzung des — > Ausgangsmaterials bzw. des Operativen Vorganges, insbesondere den dabei aufgestellten — > Versionen, den politisch-operativen Zielstellungen der —> Vorgangsbearbeitung, den Tatbestandsmerkmalen des Strafrechts sowie politisch-operativen Erfordernissen. Ziele sind eine wesentliche Voraussetzung für eine offensive und wirksame Klärung der Verdachtsgründe und müssen deshalb tatbestandsbezogen, vorgangsindividuell, konkret und real sein sowie der Dynamik der Bearbeitung des Operativen Vorganges Rechnung tragen. Im einzelnen muß aus ihnen hervorgehen:
— zu welchen Tatbestandsmerkmalen und zu welchen Handlungen operativ bedeutsame Informationen und Beweise erarbeitet werden sollen,
— welche begünstigenden Umstände und Bedingungen festzustellen, zu beweisen und auszuräumen sind,
— was zur Schadensverhütung erforderlich ist,
— welche Pläne, Absichten und Maßnahmen imperialistischer Geheimdienste, anderer feindlicher Zentren, Organisationen und Kräfte umfassend aufzuklären, zu beweisen und rechtzeitig zu verhindern sind.
Erforderlichenfalls können aus den Zielen Etappenziele abgeleitet werden.
Ziele sind in jedem Operativen Vorgang auszuarbeiten und in den Eröffnungsberichten bzw. Operativplänen auszuweisen. Sie sind entsprechend den dienstlichen Bestimmungen und Weisungen zur Vorgangsbearbeitung durch die zuständigen Leiter zu bestätigen.1




1 Definition: Operativer Vorgang; Ziele der Bearbeitung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 296, 297.