Staatssicherheit, Wörterbuch, Seite 260 / 2

Staatssicherheit, Wörterbuch, Seite 261 / 1


Ministerium für Staatssicherheit; Angriffe gegen wichtiger Bestandteil im Gesamtsystem subversiver u. a. Feindtätigkeit des Imperialismus gegen den realen Sozialismus. Das MfS als ein wesentliches Instrument der Diktatur des Proletariats, maßgeblich und erfolgreich mit der Bekämpfung insbesondere der subversiv vorgetragenen Versuche zur Realisierung der konterrevolutionären Ziele und Absichten des Imperialismus betraut, ist deshalb in seiner Gesamtheit für den Gegner, speziell für den Kern seiner subversiv wirkenden Organe, die imperialistischen Geheimdienste, zu einem ständigen Hauptangriffsobjekt geworden.
Hauptziel der zunehmend abgestimmten, arbeitsteilig unter maßgeblicher Regie der Geheimdienste und zentral von höchsten imperialistischen Führungsgremien koordinierten Angriffe aller feindlichen Kräfte gegen das MfS ist es, seine politisch-operative Einsatzfähigkeit, Kampfkraft und Zuverlässigkeit zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit der DDR zu zersetzen, besonders das Vertrauen der Partei zu ihm zu untergraben, es in den Augen des Volkes zu diskreditieren, um es so nach Möglichkeit letztlich auszuschalten. Dieser Zielstellung dienend, wurden Angriffe des Hauptfeindes des MfS, der imperialistischen Geheimdienste, besonders in folgende Richtungen erkannt:

- Aufklärung und Bearbeitung von Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern des MfS, deren Familien und Bekanntenkreis sowie von potentiellen Kadern des MfS mit der Absicht, vermittels Aufweichung und Zersetzung oder Schaffung bzw. Sammlung und Nutzung kompromittierenden Materials Werbungen zum direkten Eindringen in den Apparat des MfS durchzuführen oder geheime Informationen über die Sicherheitsorgane durch nachrichtendienstliche Abschöpfung zu gewinnen,

- Erkundung der Pläne und Absichten des MfS, seiner Struktur, Maßnahmen, Methoden und Mittel zur Aufklärung und Abwehr aller feindlichen Angriffe, besonders der dazu tätigen inoffiziellen Kräfte im Operationsgebiet und in der DDR, der Zusammenarbeit der Struktureinheiten des MfS untereinander und seiner Kooperation mit befreundeten Bruderorganen, insbesondere den sowjetischen Tschekisten, um daraus Ansatzpunkte für subversive Angriffe zu erlangen,

- Aufklärung und teilweise Überwachung offizieller und inoffizieller Objekte sowie von MfS-Wohngebieten, um Personen als Angehörige des MfS oder inoffizielle Helfer zu identifizieren und zu bearbeiten bzw. Voraussetzungen für andere, zum Beispiel auch terroristische, Handlungen zu schaffen sowie Erkundung des offiziellen Zusammenwirkens des MfS mit anderen Sicherungskräften bzw. staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen in der DDR, um daraus Ansatzpunkte für Angriffe zu gewinnen.

Neben der Existenz und Tätigkeit von „Spezialisten" und speziell dafür vorgesehenen Struktureinheiten nutzen die Geheimdienste für Angriffe gegen das MfS u. a. sozialistische Sicherheitsorgane zunehmend ihren gesamten Apparat bzw. alle → Agenten entsprechend vorhandener Möglichkeiten aus. Im Mittelpunkt steht dabei die → Spionage durch Eigenerkundung und → Abschöpfung, um sogenanntes Basismaterial als Voraussetzung weiterer gezielter Bearbeitung des MfS zu schaffen.

Auf solcher Grundlage beabsichtigt der Gegner besonders durch Versuche des Eindringens in den Kaderbestand sowie in das Netz der IM im Operationsgebiet und in der DDR, eine Lähmung, Irreführung, Desinformation und Verunsicherung des MfS, besonders jedoch politische u. a. Fehlentscheidungen von Partei und Regierung durch falsche Informationstätigkeit unseres Organs zu erreichen. Das bedingt die hohe Gesellschaftsgefährlichkeit von Angriffen, insbesondere der imperialistischen Geheimdienste, gegen das MfS und die objektive Notwendigkeit der unbedingten und absoluten Gewährleistung der inneren Sicherheit des MfS zu jeder Zeit.1




1 Definition: Ministerium für Staatssicherheit; Angriffe gegen / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 260, 261.