Stasi - Wort - Seite 253 / 1


Menschenkenntnis, operative individuell unterschiedliche Befähigung — > operativer Kräfte, psychische Eigenschaften von Personen zu erfassen und Verhaltensweisen  vorauszusagen. Diese Befähigung entwickelt sich vor allem durch persönliche Erfahrungen im Umgang bzw. in der Arbeit mit Personen, wie das z. B. bei der — > Gewinnung von und in der — > Zusammenarbeit mit IM, in der Vorgangsarbeit, in der Tätigkeit von Untersuchungsführern, bei operativen — > Ermittlungen, operativen Beobachtungen sowie in der Leitungstätigkeit Fall ist.
Die auf Menschenkenntnis beruhenden Urteile sind häufig intuitiv begründet. Sie werden meistens nicht ausformuliert und wirken unmittelbar als Verhaltens- und Entscheidungsregulativ gegenüber anderen Personen. Die Menschenkenntnis erleichtert z. B. das Deuten von Verhaltensweisen, das schnelle Orientieren über einen Beziehungspartner, das Erkennen und Beachten individueller Besonderheiten von Personen, die Anwendung von operativen — > Legenden u.a. Je nach Art der persönlichen Erfahrungen können die Urteile aufgrund der Menschenkenntnis mehr oder weniger treffend sein. Fehlerquellen, die die Zuverlässigkeit derartiger Urteile einschränken, sind z. B. die Überschätzung erster Eindrücke, das Einfließen von Vorurteilen und subjektiven Wertmaßstäben, falsche Verallgemeinerungen u. a. Die Menschenkenntnis ist deshalb durch die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten zur methodisch bewußten Einschätzung und Beurteilung von Personen weiterzuentwickeln.1




1 Definition: Menschenkenntnis, operative / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 253.