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Stasi-Wörterbuch Seite 247 / 1


Markierung, operative operativ-technische Methode der konspirativen Kennzeichnung von Personen und Objekten durch chemische Substanzen mit sicher nachweisbaren Eigenschaften (Markierungsmittel). Sie dient der Erlangung von Informationen über operativ relevante Handlungen dieser Personen oder über die Beziehungen zwischen Personen und Objekten, an bzw. mit denen derartige Handlungen begangen werden können. Die zur Markierung geeigneten chemischen Substanzen gestatten,
— vollständige Serien von Objekten zu kennzeichnen (zu markieren), um nachgeahmte derartige Objekte aufgrund des Fehlens der Markierung zu erkennen (z. B. für den Grenzübertritt erteilte Genehmigungen, Plomben für die Sicherung von Verschlüssen an Verkehrsmitteln oder anderen Objekten),
— markierte Objekte und Materialien aus einer Vielzahl gleicher oder ähnlicher, aber nicht markierter Objekte und Materialien sicher herauszufinden (z. B. markierte Dokumente, Briefe, Geldscheine, Kraftstoffe und Waffen),
— durch die vorbeugend vorgenommene Markierung gefährdeter Objekte festzustellen, ob, wann, und wohin diese Objekte (zeitweilig) vom Ort ihrer Verwahrung entfernt wurden (z. B. Sicherung von Verschlußsachen, Waffen u. a. Objekten vor unbefugter und unbemerkter Mitnahme aus der Dienststelle),
— die Benutzung markierter Objekte und Materialien zu staatsfeindlichen Handlungen festzustellen (z. B. markierte Schreibmittel oder Papiere zur Anfertigung von Hetzbriefen, zusätzlichen Durchschriften oder Abschriften),
— Veränderungen an markierten Gegenständen, der Lage, eines Zustandes oder Sollwertes zu erkennen (z. B. das Öffnen von Verschlüssen, die Veränderung konstanter Einstellungen von Aggregaten oder die unberechtigte Öffnung von Briefumschlägen) sowie
— die Feststellung, ob und welche Personen oder Gegenstände mit einem markierten Objekt in Kontakt gekommen sind (z. B. durch das unbefugte Betreten des vorsorglich markierten Fußbodens eines Raumes oder das Berühren markierter Gegenstände).
Wesentliche Voraussetzungen für die Realisierung von Markierungsmaß nahmen sind insbesondere
— die wiederholte Durchführung von gleichartigen feindlichen Handlungen gegen ein bestimmtes Objekt,
— die weitgehende Aufklärung der dazu benutzten Mittel und Methoden des Gegners,
— die durch inoffizielle Hinweise und operative Feststellungen erfolgte Herausarbeitung einer verdächtigen Person bzw. eines begrenzten Verdächtigenkreises
— oder das Vorliegen begründeter Vermutungen über eine zu erwartende konkrete staatsfeindliche Aktivität.
Der Erfolg einer Markierung hängt von einer sachkundigen und gründlichen Vorbereitung ab, die in enger Zusammenarbeit zwischen der auftraggebenden Diensteinheit und den operativ-technischen Spezialisten realisiert werden muß. Bei der Organisierung der inoffiziellen Arbeit zur Beschaffung der erforderlichen Ausgangsinformationen, zum Heranbringen markierter Objekte an die tatverdächtige Person, zur Kontrolle der Markierung und des Verdächtigenkreises u. ä. ist die allseitige Legendierung und Konspirierung der operativ-technischen Maßnahme von grundlegender Bedeutung. Durch den komplexen Einsatz von Markierungsmitteln und anderen operativ-technischen Mitteln und Methoden kann die Wirksamkeit der Markierung in vielen Fällen wesentlich erhöht werden.1




1 Definition: Markierung, operative / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 246, 247.