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Stasi-Wörterbuch Seite 246 / 1


Manipulierung, feindliche spezifische Art und Weise der ideologischen Beeinflussung der Volksmassen, die durch geistige Zersetzung, Deformation und Uniformierung des Denkens deren aktive eigenständig-schöpferische Tätigkeit ausschalten bzw. in systemkonforme Bahnen lenken soll. Sie gehört zu den Methoden der Erhaltung der staatsmonopolistischen Klassenherrschaft und richtet sich gegen alle revolutionären Hauptkräfte der Gegenwart. Innenpolitisch hat sie die Integration der Arbeiterklasse und aller anderen werktätigen Klassen und Schichten in das staatsmonopolistische Herrschaftssystem zum Ziel. Mit ihrer Hilfe sollen die Staatsbürger zum außengesteuerten Objekt degradiert, zu Antikommunisten und willfährigen Untertanen erzogen werden, die sich für den Erhalt des Herrschaftssystems einsetzen, die ökonomische Ausbeutung und politische Unterdrükkung geduldig ertragen und die Pseudoideale dieses Systems als ihre eigenen ansehen. Entgegen ihren objektiven Klasseninteressen sollen die Menschen, ohne sich dessen bewußt zu werden, in ihrem Weltbild, in ihren Denkgewohnheiten, ihren Gefühlen, ihren ästhetischen Urteilen und in ihrer gesamten Lebensweise der Ideologie der herrschenden Monopolbourgeoisie angeglichen werden.

Die Methode der Manipulierung baut auf einem bestimmten Grundmuster aus bereits verinnerlichten bürgerlichen Leitbildern, Moralnormen, Denkschemata und Gewohnheiten der bürgerlichen Lebensweise auf. Sie mißbraucht bestimmte Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Erkenntnisprozesses und andere wissenschaftliche Ergebnisse der soziologischen, psychologischen und psychiatrischen Forschung. Die Manipulierung bevorzugt insbesondere die Einflußnahme über den emotionalen Bereich bzw. das Unterbewußtsein und erfolgt in der Regel so, daß eine ihr entspringende Handlungsweise als die "frei" gewählte Entscheidung der Betroffenen erscheint. Ihre Hauptmethode liegt im Operieren mit Halbwahrheiten, im Anknüpfen an unwesentliche, nebensächliche Erscheinungen, in der ständigen stereotypen Wiederholung von unbewiesenen Behauptungen, Lügen und Verleumdungen.

Als Instrument imperialistischer Außenpolitik versucht die Manipulierung vor allem, mittels der — > Massenmedien Bürger anderer Staaten des imperialistischen Weltsystems, der nationalen Befreiungsbewegung und insbesondere der sozialistischen Staatengemeinschaft differenziert und gezielt zu beeinflussen. Die direkte oder indirekte Einflußnahme auf die Bewußtseinsinhalte von Bürgern sozialistischer Länder erfolgt in der Absicht, diese in Widerspruch zur sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung zu bringen und sie, darauf aufbauend, zur Feindtätigkeit zu mißbrauchen. ( — > politisch-ideologische Diversion)

Eine spezifische Zielrichtung der feindlichen Manipulierung soll die ideologische und politische Basis jeglicher Zusammenarbeit mit sozialistischen Sicherheitsorganen untergraben und Personen für die aktive Feindtätigkeit imperialistischer Geheimdienste gewinnen. Zu diesem Zweck wird ein verzentes, falsches Bild der sozialistischen Kundschaftertätigkeit gezeichnet, Agentenpsychose und Spionagehysterie geschürt. Damit werden Vorbehalte, Unsicherheit u. a. m. erzeugt, die in der politisch-operativen Arbeit beachtet werden müssen.

Die Wirkung der feindlichen Manipulierung darf weder unter- noch überschätzt werden. Die wachsende Ausstrahlungskraft des realen Sozialismus, der Siegeszug der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus, der Vormarsch aller antiimperialistischen Kräfte sowie die Vertiefung und Zuspitzung innerimperialistischer Widersprüche setzen ihr Grenzen.1




1 Definition: Manipulierung, feindliche / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 245, 246.