Stasi-Wörterbuch, Seite 219 / 1


Konflikt das zeitweilige scharfe Aufeinanderstoßen entgegengesetzter Belange, Interessen oder Tendenzen (Konfliktsituation) bzw. die konzentrierte zugespitzte Form des Austragens von Widersprüchen im politischen, ideologischen, ökonomischen, sozialen und psychischen Bereich.
Konflikte dieser verschiedenen Arten können sowohl Ausdruck der Klassenauseinandersetzung als auch Erscheinungsformen von Entwicklungswidersprüchen sein, die auch bei der Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft auftreten können.
Sie weisen aber immer auf die besondere Schärfe der sozialen und politischen Auseinandersetzung und auf die Gefahr der Zuspitzung und Ausweitung hin und müssen deshalb bei der politisch-operativen Analyse gesellschaftlicher Prozesse sorgfältig verfolgt und differenziert beurteilt werden.
Treffen in einer Lebenssituation bei einer Person miteinander unvereinbare, sich entgegenstehende Motive, Ziele oder Handlungsabsichten auf, so entsteht daraus psychisch ein Konflikterlebnis.
Es wird dadurch charakterisiert, daß die Person von sich aus zeitweilig nicht in der Lage ist, sich für eine der vorhandenen Handlungsalternativen zu entscheiden, so daß dadurch Störungen des Verhaltens und psychische Spannungen und Erschütterungen auftreten.
Konflikte müssen im Wirkungsbereich des MfS vor allem bei solchen IM erwartet und beachtet werden, die auf der Grundlage von Rückversicherungs- und Wiedergutmachungsmotiven gewonnen wurden; bei konspirativ feindlich tätigen Personen; auch bei Angehörigen des MfS infolge krasser Widersprüche zwischen Leistungsvoraussetzungen und Anforderungen.1




1 Definition: Konflikt / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 219.