Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 203 / 2


Inoffizieller Mitarbeiter-Kandidat; Werbungsgespräch sprachliche Einflußnahme des operativen Mitarbeiters auf den IM-Kandidaten mit dem Ziel, dessen Bereitschaft zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS zu erreichen und in Form der Verpflichtung zu erklären.

In Vorbereitung auf das Werbungsgespräch ist die — > Werbungsgrundlage zu bestimmen, die auf ihr beruhende Argumentation und Taktik, die Gestaltung der Verpflichtung sowie der Inhalt der ersten Aufträge festzulegen und im — > Vorschlag zur Werbung zu dokumentieren.

Die Auseinandersetzung um die Entscheidung verlangt in jedem Werbungsgespräch, unabhängig von der Werbungsgrundlage, Überzeugungsarbeit, um das angestrebte Ziel mit den persönlichen Bedürfnissen, Interessen, Bestrebungen des Kandidaten in Verbindung zu bringen, so daß daraus Motive für die Erklärung der Bereitschaft zur inoffiziellen Zusammenarbeit entstehen. Das erfordert:
— eine zielstrebige und überzeugende, auf die Individualität des Kandidaten ausgerichtete Argumentation,
— Klarheit über die Forderungen und Erwartungen, die an den Kandidaten gestellt werden, und über die Folgen, die mit seiner Entscheidung verbunden sind,
— sachliches und vertrauenbildendes Reagieren auf kritische Punkte, Vorbehalte, Bedenken usw. des Kandidaten,
— die richtige Wahl der äußeren Bedingungen, die sowohl die Konspiration des Kandidaten garantieren als auch seine Entscheidung positiv beeinflussen.1




1 Definition: Inoffizieller Mitarbeiter-Kandidat; Werbungsgespräch / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 203.