Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 200 / 1


Inoffizieller Mitarbeiter-Kandidat; Aufklärung Gesamtheit aller im Gewinnungsprozeß durchzuführenden Maßnahmen zur Erarbeitung der notwendigen Informationen zu den ausgewählten IM-Kandidaten für die Einschätzung ihrer
— Eignung für die Lösung der vorgesehenen gegenwärtigen und perspektivischen politisch-operativen Aufgaben entsprechend dem Anforderungsbild,
— Zuverlässigkeit und anderer charakterlich-moralischer Eigenschaften, die für die vertrauensvolle konspirative Zusammenarbeit nötig sind,
— zu erwartenden Bereitschaft zur Zusammenarbeit, der möglichen — > Werbungsgrundlagen und der sich daraus ergehenden zweckmäßigen Gewinnungsmöglichkeiten.
Die zur Einschätzung des IM-Kandidaten erforderlichen Informationen sind vor allem durch den zielgerichteten Einsatz von geeigneten IM zu erarbeiten.
Darüber hinaus sind eigene Überprüfungshandlungen der operativen Mitarbeiter und die gründliche Auswertung von Dokumenten und Speicherinformationen über den Kandidaten erforderlich.

Die Aufklärung des Kandidaten hat konspirativ zu erfolgen.

Die Informationen über die Kandidaten sind kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt einzuschätzen unter Berücksichtigung
— der Glaubwürdigkeit der Quellen,
— der Unterscheidung zwischen generellem Verhalten und aufgetretenen Einzelerscheinungen,
— der gesicherten Feststellung zum Verhalten und unbestätigten Meinungen,
— möglicher Widersprüche im Vorlaufmaterial.1




1 Definition: Inoffizieller Mitarbeiter-Kandidat; Aufklärung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 200.