Stasi-Wörterbuch Seite 162 / 3

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 163 / 1


Handschriftenuntersuchung Methode der kriminalistischen — > Personenidentifizierung.

Sie beruht auf der wissenschaftlich gesicherten Erkenntnis, daß sich in der Handschrift eines Menschen seine ihm wesenseigenen, individualisierenden Bewegungseigenschaften sowie Anordnungsgewohnheiten widerspiegeln.

Auch die den Schrifturheber besonders charakterisierenden schriftsprachlichen, grammatikalischen, stilistischen und anderen Auffälligkeiten werden zur —> Identifizierung mit herangezogen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Handschriftenuntersuchung ist das Vorhandensein von quantitativ und qualitativ ausreichenden und geeigneten Tat- und/oder Vergleichsschriftmaterialien.

Eine Handschriftenuntersuchung wird von den Schriftsachverständigen und mit bestimmten Einschränkungen von speziell ausgebildeten operativen Mitarbeitern mit folgenden möglichen Zielstellungen durchgeführt:

— der Erarbeitung von Informationen zur Aufstellung von — > Versionen über den unbekannten Schrifturheher sowie der Anfertigung einer Schriftfahndungstabelle als eine wesentliche Voraussetzung für die operative Fahndung nach dem Täter und zu seiner Identifizierung,
— der Durchführung des operativen Schriftenvergleichs mit den bereits vorhandenen Tat- und Vergleichsschriftmaterialien in den bezirklichen bzw. zentralen Schriftsammlungen der Organe des MfS,
— der Identifizierung eines Schrifturhebers durch die vergleichende Schriftuntersuchung von Tat- mit den Vergleichsmaterialien,
— der Feststellung von Schriftenistellungen, Schriftverstellungen oder Schriftnachahmungen in einem Schriftstück.

Die von den Schriftsachverständigen im Ergebnis der Handschriftenuntersuchung angefertigten Untersuchungsberichte können in der politisch-operativen Arbeit und die Gutachten im Strafverfahren als Beweismittel verwendet werden.1




1 Definition: Handschriftenuntersuchung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 162, 163.