Stasi-Wörterbuch Seite 161 / 2


Haftentlassene Gesamtbezeichnung für Personen, die aus den Strafvollzugseinrichtungen des Ministeriums des Innern nach Verbüßen einer Strafe mit Freiheitsentzug oder aus den Untersuchung shaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit bzw. des Ministeriums des Innern nach Wegfall der strafpmzessualen Voraussetzungen entlassen worden sind.

Haftentlassene sind gemäß den Befehlen und Weisungen des Ministers für Staatsicherheit durch das MfS unter operative Kontrolle zu nehmen bzw. bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen unter — > Operative Personenkontrolle zu stellen, um einer weiteren Begehung von Straftaten vorzubeugen.

Dies erfordert ein Zusammenwirken mit den zuständigen Dienststellen der Deutschen Volkspolizei, da diese ebenfalls entsprechend den Dienstvorschriften des Ministers des Innern Kontrollen gegenüber Haftentlassenen ausüben.

Haftentlassene DDR-Bürger sind in diesem Zusammenhang bei der Wiedereingliederung in das gesellschaftliche Leben (Eingliederung in ein entsprechend geeignetes Arbeitskollektiv, Sicherung einer weiteren erzieherisch positiven Einflußnahme auf den Haftentlassenen) durch die Abt. Innere Angelegenheiten, Betriebe und gesellschaftliche Kräfte im Zusammenwirken mit der operativen Diensteinheit des MfS zu unterstützen.

Der Begriff H. entspricht nicht den Rechtsvorschriften des Ministeriums des Innern der DDR, nach denen zwischen aus den Strafvollzugseinrichtungen und den aus Untersuchungshaftanstalten entlassenen Bürgern unterschieden wird.1




1 Definition: Haftentlassene / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 161.