Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 158 / 2

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 159 / 1


Gruppenanalyse,  operative Prozeß und Ergebnis der systematischen und fortlaufenden Analyse des Charakters und der Beschaffenheit von Gruppen, die wegen verschiedenster Anlässe Gegenstand der operativen Arbeit sein können.
Die Gruppenanalyse bezieht sich auf:

— den Inhalt der gemeinsamen Ziel- und Aufgabenstellung der Gruppe (darunter besonders: schriftlich fixierte Programme und Plattformen in
negativen Gruppen, aber auch z. B. staatliche Vorgaben für positive Gruppen, bestehende Normen, Wertvorstellungen und Gebräuche);
— die räumlichen und zeitlichen Bedingungen, unter denen sich das Gruppenleben realisiert (dabei besonders: die Zeitdauer und Häufigkeit der Zusammenkünfte, der von den einzelnen Mitgliedern betriebene Aufwand zur Teilnahme an den Gruppentreffs, der Charakter des Treffortes); — die Kooperation und Kommunikation der Gruppenmitglieder zur Verwirklichung gesetzter Zielstellungen (hier besonders: die Faktoren, die in negativen Gruppen durch das arbeitsteilige Vorgehen eine erhöhte Gesellschaftsgefährlichkeit bedingen bzw. die in positiven Gruppen einen Leistungszuwachs bewirken, die Gestaltung der stabilen Gesprächsbeziehungen (Kommunikationsstruktur) zwischen den Gruppenmitgliedern);
— die Gruppenstruktur, die als Gesamtheit verschiedenster Strukturaspekte Ausdruck der vielfältigen sozialen Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern ist und somit z. B. beinhaltet: die Funktionsstruktur, die sich unmittelbar aus der konkreten Aufgabe ableitet und einzelne Funktionsträger (z. B. Funker, Kraftfahrer) benennt, die Rangstruktur, die Ausdruck des typischen Anteils der Gruppenmitglieder an der Aufgabenerfüllung ist und die z. B. zur Charakterisierung von Anführern, Aktiven und Mitläufern führt, die Bewertungsstruktur, die die emotionalen Beziehungen der Gruppenmitglieder wie z. B. Sympathie- und Antipathiebeziehungen widerspiegelt und damit insgesamt auch die Gruppenatmosphäre ausdrückt.

Aus diesen Analysegesichtspunkten, die zugleich auch eine Gruppe als besondere Form des Personenzusammenschlusses beschreiben, lassen sich solche operativ relevanten Sachverhalte einschätzen wie die Entstehung von Gruppen, der gegenwärtige Entwicklungsstand von Gruppen oder das voraussichtliche Verhalten der Gruppenmitglieder. Dadurch können Maßnahmen für die zielgerichtete Bearbeitung und Absicherung von Gruppen abgeleitet werden.1




1 Definition: Gruppenanalyse, operative / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 158, 159.