Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 157 / 2

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 158 / 1


Gruppe, feindliche; Herausbrechen von Personen operative Methode der Gewinnung Inoffizieller Mitarbeiter, die in der Bearbeitung feindlicher Gruppen in Operativen Vorgängen angewandt wird.

Diese Methode wird dadurch charakterisiert, daß die herauszubrechende Person
— Mitglied einer feindlichen Gruppe ist,
— im Verdacht bzw. dringenden Verdacht steht, Straftaten, vor allem Staatsverbrechen, durchzuführen,
— in der Regel eine feindhche Einstellung hat, aus der die strafbaren Handlungen resultieren,
— nach der Werbung den politisch-ideologischen und sonstigen Einflüssen der feindlichen Gruppe direkt und in hohem Maße ausgesetzt ist.
Das Ziel des Herausbrechens besteht darin, in die Konspiration der feindlichen Gruppe einzudringen und Informationen und Beweise über geplante, vorbereitete, versuchte oder durchgeführte feindliche Handlungen sowie Mittel und Methoden ihres Vorgehens zu erarbeiten, Anknüpfungspunkte für eine Paralysierung und Einschränkung der feindlichen Handlungen bzw. zur Auflösung der feindlichen Gruppe zu schaffen.

Das Herausbrechen ist insbesondere dann erforderhch und zu prüfen, wenn Straftaten mit hoher Gesellschaftsgefährlichkeit vorliegen oder zu erwarten sind, deren kurzfristige Aufklärung unbedingt erforderlich ist, bzw. wenn für die Einführung eines IM keine oder nur geringe Erfolgsaussichten bestehen. Bei Personen mit einer verfestigten politisch-ideologisch feindlichen Grundeinstellung ist es häufig nicht oder nur sehr schwer möglich, das Herausbrechen anzuwenden. Das Herausbrechen erfordert eine gründliche und exakte Vorbereitung. Dazu sind vor allem erforderlich
— die Analysierung des Operativen Vorganges, um den Umfang und die Intensität der Straftaten, die dazu erarbeiteten Beweise, die Gruppenstruktur und Gruppenatmosphäre sowie Ansatzpunkte für eine konspirative Kontaktaufnahme, Gewinnung und Zusammenarbeit, insbesondere — > Kompromate, herauszuarbeiten,
— die weitere Aufklärung und Überprüfung von Personen, die in die engere Auswahl für das Herausbrechen kommen,
— die Auswahl derjenigen Person, mit der die größte politisch-operative Wirksamkeit erreicht werden kann und die über die entsprechenden Voraussetzungen für eine konspirative, ehrliche und zuverlässige Zusammenarbeit mit dem MfS verfügt.
Zur Durchführung des Herausbrechens haben sich bewährt:
— die konspirative Zuführung zur Befragung mit anschließender Werbung,
— die Werbung unter geeigneter operativer Legendierung des tatsächlichen Werbungsgrundes.

Verschiedentlich wird das Herausbrechen auch durch eine langfristige Kontaktierung realisiert, die das Ziel hat, den Kandidaten zunächst politisch-ideologisch zurückzugewinnen und ihn allmählich in die operative Arbeit einzubeziehen.1




1 Definition: Gruppe, feindliche; Herausbrechen von Personen / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 157, 158.