Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 155 / 4

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 156 / 1


Grenzverletzung gesetzwidrige Handlung einer oder mehrerer Personen, die in der Regel mit einem widerrechtlichen Passieren der Staatsgrenze verbunden ist.

Zielstellungen der Grenzverletzung können sein:
— in das Territorium der DDR einzudringen oder es zu verlassen,
— die Grenzsicherungsanlagen zu beschädigen oder zu zerstören,
— die Grenzsicherungskräfte in ihrer Tätigkeit zu behindern

In Einzelfällen kann eine Grenzverletzung vorliegen, ohne daß der Grenzverletzer die genannte Zielstellung hatte (z. B. Ausfall der Navigationsgeräte in Schiffen und Flugzeugen).

Grenzverletzungen stehen häufig im Zusammenhang mit Feindtätigkeit, wie dem staatsfeindlichen Menschenhandel, Terrorverbrechen, Spionage u. a., sowie bestimmten Handlungen allgemein-krimineller Art (z. B. ungesetzlicher Grenzübertritt, Zoll- und Devisendelikte). Sie können sich zu schwerwiegenden zwischenstaatlichen Konflikten (z. B. Grenzprovokationen, Anlaß für den Beginn von Aggressionshandlungen) ausweiten.

Die Grenzverletzung unterscheidet sich von der — > Grenzprovokation durch ihre andersgeartete Zielstellung und ihre in der Regel geringere objektive Schwere, wobei das äußere Erscheinungsbild gleich oder ähnlich sein kann.1




1 Definition: Grenzverletzung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 155, 156.