Wörterbuch des MfS, Seite 144 / 2


Grenzprovokation die Souveränität und die territoriale Integrität der DDR verletzende Feindhandlungen, die gegen die Grenzsicherungskräfte und -anlagen sowie gegen die Bevölkerung in den Grenzgebieten der DDR gerichtet sind, um die staatlichen Organe der DDR, insbesondere die Grenzsicherungskräfte, zu Verhaltensweisen herauszufordern, die dem Gegner dienlich sind und für die DDR nachteilige Folgen haben ( — > Provokation). Ziele von Grenzprovokationen können sein:
— Aggressionshandlungen und andere internationale Konflikte vorzubereiten, auszulösen oder zu rechtfertigen,
— an der Staatsgrenze und im Grenzgebiet Spannungen und Unsicherheit zu erzeugen,
— das Grenzsicherungssystem der DDR zu erkunden und zu desorganisieren,
— Gegenmaßnahmen der DDR-Organe zu testen,
— weitere Feindhandlungen wie den staatsfeindlichen Menschenhandel oder das Einschleusen subversiver Kräfte zu ermöglichen,
— die DDR international zu diskriminieren u.a.
Grenzprovokationen sind Bestandteil der aggressiven Politik des Imperialismus und werden von feindlichen Kräften (Zivil-, Militärpersonen, Grenzsicherungskräften usw.) des imperialistischen Auslands sowie auch von DDR-Bürgern, die im Interesse bzw. Auftrag der Feindes handeln, begangen. Grenzprovokationen gefährden den Frieden und die zwischenstaatlichen Beziehungen und sind in vielen Fällen völkerrechtswidrige Handlungen. Bei Vorliegen obengenannter Ziele können als Grenzprovokation u. a. auftreten:
— gewaltsame Angriffe gegen Grenzsicherungskräfte und die Bevölkerung in den Grenzgehieten (Bedrohung mit bzw. Anwendung von Waffen, Sprengstoffen u. a. Gewaltmitteln),
— Anschläge gegen Grenzsicherungsanlagen, die Markierung und Kennzeichnung der Staatsgrenze,
— Überschreiten, Überfliegen oder Überschwimmen der Staatsgrenze durch Personen, Personengruppen, militärische Formationen, Luftfahrzeuge, Schiffe usw.,
— Handlungen der staatsfeindlichen Hetze (Aufforderungen zu Fahnenfluchten, Hetzveranstaltungen u. a.).1




1 Definition: Grenzprovokation / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 144.