Wörterbuch des MfS, Seite 141 / 2

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 142 / 1


Gewohnheiten Eigenschaften der Persönlichkeit zur Ausführung einzelner Handlungen, die infolge ihres häufigen Auftretens, Gebrauchs oder der Übung als automatisierte, wenig bewußte Vorgänge ablaufen und das Bedürfnis ihrer erneuten Betätigung mit einschließen.

Elementare und komplexe Gewohnheiten treten in allen Lebensbereichen mit gewisser Regelmäßigkeit und Gleichförmigkeit auf. Feststellung der Gewohnheiten bei operativ interessierenden Personen läßt relativ zuverlässige Rückschlüsse auf die Individualität der Person, ihre — > Einstellungen und andere Eigenschaften zu. Hauptbedeutung liegt in der Nutzung vorhandener und der Entwicklung günstiger Gewohnheiten bei IM und GMS für die politisch-operative Arbeit, wie Absicherung beim Treff, beständige Verbindungs aufnahme vom IM zum Mitarbeiter, kritische Durchsprache jeder Verhaltenslinie, völlige Beherrschung der Regeln für die Berichterstattung u. ä. Die Gewöhnung als Prozeß der Bildung von Gewohnheiten muß dabei als operativ bedeutsamer Entlastungsvorgang genutzt werden, der geistige und willensmäßige Kapazitäten für die schöpferische Lösung politisch-operativer Aufgaben bei operativen und inoffiziellen Mitarbeitern freisetzt. Vorbedingung dafür ist, von Anfang an in der Gewöhnungsbildung das bewußte, genaue und positiv motivierte Erlernen der konspirativen Regeln zu beachten, die in späteren Wiederholungen, Übungen, im Verhaltenstraining und im praktischen Einsatz als Gewohnheit verfestigt werden. Bei der Herausbildung operativ nützlicher Gewohnheiten ist die Entstehung von Schematismus und Routine zu vermeiden.1




1 Definition: Gewohnheiten / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 141, 142.