Wörterbuch des MfS, Seite 139 / 3


Gesellschaftsgefährlichkeit materielle Eigenschaft der als Verbrechen in § 1 Abs. 3 StGB gekennzeichneten Straftat, die ihre objektive Schädlichkeit für die Gesellschaft oder einzelne ihrer Bürger näher charakterisiert.

Die Gesellschaftsgefährlichkeit widerspiegelt das Verhältnis der Straftat zur sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung sowie die Art und Tiefe des Widerspruchs zu ihren sozialen Grundanforderungen. Sie kennzeichnet damit die Schwere des Angriffs auf die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung und bringt den spezifischen antisozialen Charakter der Verbrechen zum Ausdruck. Die Gesellschaftsgefährlichkeit kann im Einzelfall ein unterschiedliches Ausmaß annehmen. Das findet seinen Niederschlag bei der Verwirklichung der individuellen strafrechtlichen Verantwortlichkeit.
In der politisch-operativen und Untersuchungsarbeit ist es ein unabdingbares Erfordernis, eine genaue Prüfung und Bestimmung des Grades der Gesellschaftsgefährlichkeit als wesentliche Voraussetzung der Individualisierung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit vorzunehmen. Das Ausmaß der Gesellschaftsgefährlichkeit hängt von der konkreten Beschaffenheit der einzelnen Elemente der — > Tatbegehung, dem Grad des Verschuldens, Ursachen und Bedingungen der Straftat einschließlich der — > Täterpersönlichkeit und von deren Wechselverhältnis zueinander ab. Zur Gesellschaftsgefährlichkeit gehören nur Umstände, die tatbezogen sind und tatsächlichen Einfluß auf den antisozialen Charakter der Verbrechen haben.1




1 Definition: Gesellschaftsgefährlichkeit / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 139.