Stasi-Wörterbuch Seite 136 / 2

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 137 / 1


Geruchsdifferenzierung Methode zur Feststellung von Personen, die auf den empirisch gesicherten Erkenntnissen beruht, daß jeder Mensch seinen ihm arteigenen und spezifischen Geruch aufweist. Unbeabsichtigt überträgt der Mensch durch den direkten Kontakt bei dem Berühren von Gegenständen oder beim Laufen Teile seines Geruches an seine Umgebung.

Geruchsspuren werden unter Verwendung steriler Staubtücher, Zangen und Pinzetten, unter Vermeidung von Geruchsüberlagerungen an den — > Ereignisorten, Tatwerkzeugen sowie anderen spurentragenden Gegenständen gesichert.

Die für die Differenzierung benötigten Vergleichsmaterialien (Geruchskonserve) werden entweder direkt von Körperteilen der verdächtigten Personen abgenommen oder konspirativ an den von ihnen getragenen Bekleidungsgegenständen oder berührten Gegenständen gesichert.

Die Aufbewahrung und der Transport der gesicherten Geruchsspuren und Geruchskonserven erfolgt grundsätzlich in sterilen, luftdicht verschlossenen Weckgläsern. In Ausnahmefällen können geruchsspurentragende Gegenstände kurzfristig in sauberen Plastbeutel gesichert und transportiert werden.

Das Ergebnis der Geruchsdifferenzierung kann nicht als Beweismittel im Strafverfahren verwendet werden. Im Zusammenhang mit anderen operativen und kriminalistischen Maßnahmen trägt es zur Einengung des Kreises von verdächtigen Personen bei, aus dem der Täter zu ermitteln ist.

Die Sicherung von Geruchsspuren sollte in der Regel durch ausgebildete Spezialisten vorgenommen werden. Die Geruchsdifferenzierung führen speziell ausgebildete Hundeführer (Differenzierungshundeführer) mit abgerichteten Hunden (Differenzierungshunde) durch.1




1 Definition: Geruchsdifferenzierung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 136, 137.