Stasi Feindbild, Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 111 / 1


Feindbild; tschekistisches Gesamtheit von Kenntnissen und Vorstellungen über das Wesen und die Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus, seine subversiven Pläne und Zielstellungen gegen den Sozialismus, über die Erscheinungsformen der subversiven Tätigkeit und deren Angriffsrichtungen, die feindlichen Zentren, Organisationen und Kräfte, die Abwehrmaßnahmen des Feindes, die Mittel und Methoden des feindlichen Vorgehens sowie der darauf beruhenden Wertungen, Gefühle und Überzeugungen im Kampf gegen den Feind.

Das tschekistische Feindbild ist eine spezifische Erscheinungsform des auf der marxistisch-leninistischen Analyse des Klassenkampfes und der der Arbeiterklasse und dem Sozialismus antagonistisch gegenüberstehenden feindlichen Klassenkräfte beruhenden wissenschaftlichen Feindbildes der Arbeiterklasse.

Es beinhaltet dessen Bestandteile und wird spezifisch geprägt durch die im konspirativen Kampf gegen den subversiven Feind gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse.

Als immanenter Bestandteil der Ideologie und des moralischen Wertsysterns gehört das wissenschaftlich begründete, reale und aktuelle Feindbild zu den wesentlich charakteristischen Merkmalen der tschekistischen Persönlichkeit.

Im Prozeß der politisch-ideologischen Erziehung der operativen sowie der inoffiziellen Mitarbeiter erlangt die umfassende, individuelle und methodisch vielseitige Vermittlung und Anerziehung des Feindbildes eine ständig steigende Bedeutung.

Konkrete und gesicherte Erkenntnisse über den Feind und die auf ihnen beruhenden tiefen Gefühle des Hasses, des Abscheus, der Abneigung und Unerbittlichkeit gegenüber dem Feind sind außerordentlich bedeutsame Voraussetzungen für den erfolgreichen Kampf gegen den Feind.

Je präziser und eindringlicher die entsprechenden Erkenntnisse über den Feind mit ihrem emotionalen Gewicht in der klassenmäßigen Erziehung in den Diensteinheiten und in der Zusammenarbeit mit inoffiziellen Mitarbeitern nahegebracht werden, um so mehr erhöht sich die Fähigkeit, feindliche Angriffe rechtzeitig zu erkennen, aufzuklären und zu verhindern sowie die Bereitschaft und die Motive zur aktiven Bekämpfung des Feindes. Vereinseitigungen, Verabsolutierungen, Abschwächungen oder Verzerrungen des Feindes können in der politisch-operativen Arbeit zu Fehlentscheidungen und falschem Reagieren führen und dürfen nicht zugelassen werden.1




1 Definition: Feindbild; tschekistisches / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 111.