Stasi, Wörterbuch Staatssicherheit Seite 91 / 1


Einstellungsbildung Vorgehensweise zur Herausbildung bzw. Veränderung von Einstellungen und Überzeugungen von Personen in der politisch-operativen Arbeit. Sie ist Bestandteil der Erziehung operativer Kräfte (z. B. bei der Herausbildung positiver Einstellungen der operativen Mitarbeiter zu inoffizieller Arbeit, bei der Vermittlung des Feindbildes bei inoffiziellen Kräften u.a.m.).

Die Einstellungsbildung ist weiterhin erforderlich bei der langfristigen Beeinflussung operativ bedeutsamer — > Personen zur Erreichung politischer und operativer Ziele. Einstellungen und Überzeugungen bilden sich in der politisch-operativen Arbeit in den jeweiligen spezifischen Erziehungsbedingungen heraus. Dabei sind die große Vielfalt und das oft komplizierte Wechselspiel der äußeren, auf einen Menschen einwirkenden Einflußfaktoren und seine spezifischen inneren Bedingungen zu beachten.

Die notwendige Stabilität der Einstellungen und Überzeugungen wird eher erreicht, wenn die Erziehungsimpulse bewußt, wiederholt und auf die konkrete Persönlichkeit bezogen, gesetzt werden. Daneben ist der Zufallseinfluß aktueller Faktoren in positiver wie negativer Hinsicht zu beachten. Operative Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse legen es nahe, folgende Grundregeln der Überzeugungs- und Einstellungsbildung anzuwenden:

— Vorbildwirkung (bewußter Lernvorgang, bei dem vorbildliche Verhaltensweisen anderer Menschen übernommen werden),
— Belehrung (Form der Einflußnahme, bei der mitgeteilt wird, welche Einstellung gefordert bzw. abgelehnt wird),
— Unterweisung (Stellen einer Aufgabe, bei deren Realisierung mit gewisser Zwangsläufigkeit bestimmte Einstellungen entstehen, ohne daß darüber gesprochen wurde),
— Motivierung (Vorgehensweise, bei der sich durch das wiederholte Auftreten von aktuellen Motiven, bedingt durch das fortgesetzte Setzen innerer Widersprüche, Motive verfestigen und in relativ stabile Einstellungen übergehen),
— Sanktionierung (bewußte Bewertung des Verhaltens, um damit Motive, Einstellungen und Überzeugungen zu bekräftigen bzw. abzuschwächen),
— Nachahmung (unbewußte Übernahme von Verhaltensweisen).

In ihrer Anwendung stehen diese Grundregeln nicht neben anderen Möglichkeiten der erzieherischen Einflußnahme, sondern bilden deren prinzipiellen psychologischen Inhalt.1




1 Definition: Einstellungsbildung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 91.