Wörterbuch Staatssicherheit Seite 90 / 2


Einstellungsanalyse Vorgehensweise zur Einschätzung der Einstellungen und Überzeugungen von Personen in der politisch-operativen Arbeit. Die Einstellungsanalyse ist zur Lösung von Aufgaben in der Kaderarbeit (z. B. zur Einschätzung von Einstellungskandidaten für den Dienst im MfS, von Mitarbeitern des MfS u. a.) erforderlich. Sie ist weiterhin Bestandteil der Einschätzung operativ bedeutsamer — > Personen in operativen Prozessen, wie z. B. der IM-Arbeit, der  Bearbeitung  von Operativen Vorgängen, bei Sicherheitsüberprüfungen u. a. Da  Einstellungen und Überzeugungen nicht direkt erkennbar sind, müssen sie indirekt aus Handlungen, Äußerungen und Verhaltensweisen erschlossen werden. Das erfordert ein bewußtes, methodisches Vorgehen in folgenden Schritten:

— Ziele der Einstellungsanalyse bestimmen (welche Einstellungen und Überzeugungen wozu feststellen?),
— Gewinnung von Informationen über Handlungen, Äußerungen und Verhaltensweisen durch Materialanalyse, Verhaltensbeobachtung und Gesprächsführung,
— Ableitung des allgemeinen und wesentlichen Verhaltens der Person im Hinblick auf die interessierenden Einstellungsobjekte (z. B. Ideologie, Tätigkeit, Personen u. a.),
— Schlußfolgerungen auf die Einstellungen und Überzeugungen entsprechend den Zielen der Einstellungsanalyse ziehen.

Die erkannten Einstellungen sind nach Inhalt, Ausprägungsgrad, Stabilität, Struktur und Handlungswirksamkeit sowie nach Verlauf und Bedingungen ihrer Entwicklung und den Möglichkeiten ihrer Veränderung differenziert zu beschreiben und einzuschätzen.1




1 Definition: Einstellungsanalyse / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 89, 90.