Stasi-Wörterbuch, Dissident, Seite 77 / 1


Dissident lateinisch für „Andersdenkender", „Andersgläubiger". Vom Gegner bewußt gewählte Bezeichnung für Personen in den sozialistischen Staaten, die sich in prinzipieller Weise mit der Weltanschauung der Arbeiterklasse und der gesellschaftlichen Praxis in den sozialistischen Ländern in Widerspruch befinden und mit dementsprechenden Absichten und Handlungen an die Öffentlichkeit treten, zum Teil unter bewußter Umgehung bzw. Mißbrauch der Möglichkeiten der sozialistischen Demokratie.

Die Verwendung dieses Begriffs soll eine „breite innere Opposition" und „Untergrundbewegung" in den sozialistischen Ländern vortäuschen.

Entsprechend dieser Zielstellung werden vom Gegner sowohl Staatsverbrecher als auch kriminelle, dekadente, asoziale, religiös gebundene u. a. Personen, die mit der Weltanschauung der Arbeiterklasse und der gesellschaftlichen Praxis in den sozialistischen Ländern nicht übereinstimmen, als Dissident bezeichnet, um sie als „politische Gegner" des Sozialismus deklarieren und einer „breiten inneren Opposition" zuordnen zu können.1




1 Definition: Dissident / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 77.