Staatssicherheit, Wörterbuch, Seite 42 / 2


Aussagefähigkeit Eignung einer Person, infolge ihrer objektiven, realen Beziehungen zu einem bestimmten Sachverhalt wahre und sachbezogene Mitteilungen zu machen. Qualität und Umfang der Aussagefähigkeit sind bedingt durch die einer Person objektiv zugänglichen Informationen und die für ihre Erfassung und Wiedergabe maßgebenden individuellen Eigenschaften, Fähigkeiten und Leistungen, insbesondere beim Wahrnehmen, Behalten, Einschätzen und Beurteilen, Wiedererkennen und Reproduzieren sowie durch Sprachverständnis und Ausdrucksfähigkeit, Kenntnisse und Lebenserfahrungen.

Für die Einschätzung der Aussagefähigkeit sind speziell die fördernden und hemmenden Wirkungen zu beachten, die von aktuellen Motiven und Gefühlen sowohl bei der Erfassung als auch bei der Wiedergabe der interessierenden Informationen ausgehen. Die Beachtung der Aussagefähigkeit ist sowohl in der Untersuchungsarbeit als auch in der inoffiziellen Arbeit wichtig.

Dabei ist zu berücksichtigen, daß unvollständige, irreführende, falsche Angaben nicht nur aus Täuschungsabsichten, sondern auch aus mangelnder Aussagefähigkeit resultieren können. Die Aussagefähigkeit von Kindern und psychisch Kranken bedarf stets einer besonderen Prüfung, die erforderlichenfalls mit einer psychologischen oder fachärztlichen Begutachtung verbunden sein kann.1  




1 Definition: Aussagefähigkeit / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 42.