Staatssicherheit, Wörterbuch, Seite 30 / 3

Staatssicherheit, Wörterbuch, Seite 31 / 1



Asozialität eine gesellschaftliche Verhaltensweise einschließlich der ihr zugrunde liegenden asozialen Einstellungen und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Erscheinungen, durch die sich einzelne Personen oder Personengruppen (Asoziale) zeitweilig oder ständig in einem extremen Gegensatz zu Teilbereichen oder zum Gesamtgefüge der moralischen und rechtlichen Normen des sozialen Lebens in der sozialistischen Gesellschaft stellen.

Asozialität ist verbunden mit der Deformierung der persönlichen Lebensweise und der gesellschaftlichen Bindung der entsprechenden Personen. Asozialität ist eine dem Sozialismus wesensfremde Erscheinung. Sie wird verursacht sowohl durch noch im Innern der DDR existierende Rudimente der kapitalistischen Gesellschaft als auch aktuelle Einflüsse aus dem imperialistischen Herrschaftssystem.

Von besonderer Bedeutung sind dabei das Wirken der politisch-ideologischen Diversion sowie die Auswirkungen der massenhaften Verbreitung bürgerlicher Unkultur und dekadenter Lebensweise in der BRD und in Westberlin auf politisch und moralisch ungefestigte Personen in der  DDR. Durch Asozialität werden grundlegende gesellschaftliche Beziehungen beeinträchtigt, insbesondere das Verhältnis Mensch — Arbeit im Sozialismus.

Asozialität äußert sich deshalb vor allem in der permanenten Ablehnung einer geregelten Arbeit und dem dadurch bedingten Erwerb des Lebensunterhalts auf unlautere Weise, wie z. B. Durchführung von Spekulationsgeschaften, Ausübung der Prostitutton u. ä. Asoziales Verhalten kann auf die weitere Ausprägung des sozialistischen Bewußtseins und gesellschaftsgemäßer, sozialistischer Verhaltensweisen zersetzend wirken, Ursache bzw. Ausgangspunkt für Straftaten der allgemeinen Kriminalität, vor allem gegen die staatliche Ordnung und gegen die Persönlichkeit sein, sowie Verbrechen gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung begunstigen.

Asozialität erreicht die Qualität von Straftaten, wenn durch asoziales Verhalten das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung gefährdet werden — Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten, ) § 249 StGB. Eine Straftat kann auch dann vorliegen, wenn Kinder oder Jugendliche durch Erwachsene zu asozialer Lebensweise verleitet werden — Verleitung zu asozialer Lebensweise, § 145 StGB.

Asozialität mit ihren negativen Auswirkungen für die sozialistischen gesellschaftlichen Beziehungen dient objektiv dem Feind. Der Feind ist bestrebt, vor allem Jugendliche und Jungerwachsene der DDR mit asozialen Verhaltensweisen mittels demagogischer Parolen vor allem zu Widerstandshandlungen gegen die staatliche und öffentliche Ordnung, aber auch zu Angriffen gegen die sozialisttsche Staats- und Gesellschaftsordnung der DDR, zu inspirieren.

Die Anwendung rechtlich begründeter staatlicher Maßnahmen gegen Personen und Personengruppen mit asozialen Verhaltensweisen (z. B, nach der Verordnung über die Aufgaben der ortlichen Räte und der Betriebe bei der Erziehung kriminell gefährdeter Bürger vom 19. 12. 1974, GBl. I Nr. 6 S. 130) werden insbesondere durch imperialistische Massenmedien als angebliche Verletzungen der Menschenrechte diffamiert.1




1 Definition: Asozialität / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 30-31.