Die Bezirksverwaltung (BV) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Schwerin.


Die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit befand seit 1952 mitten im Zentrum der Stadt Schwerin am Demmlerplatz Nr. 1 - 2 und hatte 1989 zum Ende der DDR und der Auflösung der Staatssicherheit insgesamt 1.787 hauptamtlich tätige Mitarbeiter.

Heinrich Folk war von 1952 bis 1954 der erste Leiter in der Schweriner Bezirksverwaltung des MfS. Sein Nachfolger war der Oberst Wilhelm Müller von 1954 bis 1955 in dieser Funktion. Gefolgt von Oberst Rudolf Vödisch von 1955 bis 1968. Der letzte Leiter in dieser Bezirksverwaltung der Stasi in Schwerin war Werner Korth von 1968 bis 1989 im Rang eines Generalmajors.1 Die Leiter führten die BV nach dem Prinzip der "militärischen Einzelleitung" entsprechend den Befehlen des Ministers für Staatssicherheit. Sie waren Mitglied der SED-Bezirksleitung und der Bezirkseinsatzleitung für den Spannungs- oder Mobilmachungsfall. Sie waren verantwortlich für die staatliche Sicherheit im gesamten Bezirk Schwerin.






Das Gerichtsgebäude am Schweriner Demmlerplatz symbilisiert wie kaum ein anderes Gebäude in Mecklenburg Vorpommern so eindrucksvoll die Brüche und Epochen deutscher Geschichte im 20. Jahr­hundert.

Die Bezirksverwaltung der Staatssicherheit war in einem Gebäude untergebracht, welches bereits 1914 bis 1916 erbaut wurde und zur großherzoglichen Zeit Sitz von Amts, Land- und Schwurgericht war. Zu dem Justizgebäude gehörte seit Anbeginn auch ein angeschlossener Gefangnistrakt.

Die Nationalsozialisten richteten hier Mitte der 30er Jahre zusätzliche Sondergerichte ein. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hatte ihren Sitz nicht am Demmlerplatz, ließ hier aber vermutlich Haftlinge vernehmen und foltern. In dem Gefängnis am Demmlerplatz wurden in dieser Zeit immer mehr Menschen aus politischen Grunden inhaftiert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Übergabe der Stadt Schwerin an die Sowjetische Armee wurde das Gerichtsgebäude am Demmlerplatz Sitz des sowjetischen Geheimdienstes und eines sowietischen Militartnbunals. Die deutschen Justizbehörden mussten während dieser Zeit in andere Gebäude umziehen.

Ab 1947 arbeitete das zentrale Sowjetische Militärtribunal (SMT) für ganz Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin am Demmlerplatz. Tausende von Menschen wurden hier aus zumeist nichtigen Gründen zu hohen Freiheitsstrafen, Zwangsarbeit und zum Tode verurteilt. Meist fanden die Prozesse und Urteilsverkündungen im Schwurgerichtssaal des Landgerichts statt. Über seinem Eingang befand sich zu diesem Zeitpunkt noch die lnschrift "Recht muß doch Recht bleiben". An diesen Vers aus dem 94. Psalm der Bibel können sich viele Häftlinge genau erinnern. Denn daran hatten sie selbst bis zu ihrer Verurteilung immer wieder geglaubt. Als sie den Gerichtssaal verließen und um ihre Strafen wussten, erschien er ihnen wie blanker Hohn. Später wurde der Bibelvers, vermutlich unter der Regie des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), den Blicken entzogen und abgedeckt.

Nachdem die sowjetischen Militärtribunale ihre Arbeit in der DDR eingestellt hatten, übernahm Anfang der 50er Jahre das Ministerium für Staatssicherheit das ehemalige Justizgebäude am Demmlerplatz. Seitdem hatte hier die Bezirksverwaltung (BV) der Staatssicherheit für den Bezirk Schwerin ihren Sitz. Der vorhandene Hafttrakt wurde fortan bis Ende 1989 als Untersuchungshaftanstalt (UHA) der BV Schwerin genutzt. Das vierstöckige Gefängnis war für 150 Häftlinge ausgelegt. Neben den Untersuchungsgefangenen gab es auch in Schwerin ein aus etwa fünf Männern und zehn Frauen bestehendes Strafgefangenenarbeitskommando für die anfallenden Hausarbeiten.2

Heute sind Land- und Amtsgericht an ihren ursprünglichen Sitz zurückgekehrt.In dem ehemaligen Hafttrakt des Gerichtsgebäudes am Demmlerplatz wurde ein "Dokumentationszentrum des Landes Mechlenburg-Vorpommern für die Opfer deutscher Diktaturen" eingerichtet.


1 Jens Gieseke: Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch) Anatomie der Staatssicherheit, Geschichte - Struktur - Methoden, Herausgeber, BStU, Berlin 2012.
2
Johannes Beleites, Abteilung XIV : Haftvollzug (MfS-Handbuch), Herausgeber, BStU, Berlin 2009.