Die Bezirksverwaltung (BV) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Bezirk Neubrandenburg hatte von 1953 nach der Bildung der Bezirke in der DDR bis 1981 ihren Dienstsitz in Neustrelitz, in einem bereits im Jahr 1876 erbauten Gerichtsgebäude mit Gerichtsgefängnis in der Töpferstraße 13.

Von 1981 bis 1989 befand sich die MfS-Bezirksverwaltung Neubrandenburg in einem durch das MfS selbst neu errichteten Plattenneubau innerhalb eines abgeschirmten Areals auf dem Lindenberg der Bezirksstadt Neubrandenburg in der Leninstraße 120. Innerhalb dieses Areals befand sich auch die ab 1987 von Neustrelitz hierhin verlagerte neu gebaute Untersuchungshaftanstalt des MfS in Neubrandenburg.

Für die Erfüllung der dem MfS durch die SED übertragenen Aufgaben standen 1989 im Bezirk Neubrandenburg insgesamt 1.909 hauptamtliche Mitarbeiter zur Bearbeitung der 619.492 in Neubrandenburg lebenden Menschen bereit, davon 1.431 Mitarbeiter des MfS zentral in der Bezirksverwaltung und 478 Mitarbeiter in den 14 Kreisdienststellen (KD).

In den Abteilungen und Sachreferaten der Linien des MfS in der Bezirksverwaltung Neubrandenburg mit 1.431 hauptamtlichen Mitarbeitern gab es erhebliche Unterschiede in der personellen Besetzung. Dabei standen 219 Mitarbeiter der Wach- und Sicherungseinheit des Wachregiments "Feliks Dzierzynski" und 108 Mitarbeitern in der Abteilung VIII (Beobachtung, Ermittlung) den 39 Mitarbeitern der Abteilung XVIII (Volkswirtschaft) und den 46 bzw. 41 der Abteilungen II (Spionageabwehr) und XX (Staatsapparat, Kunst, Kultur, Kirche, Untergrund) gegenüber. Für die Abteilung IX (Untersuchungsorgan) und die Abt. XIV (Haftvollzug) in der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Neubrandenburg waren 34 bzw. 62 hauptamtliche Mitarbeiter des MfS tätig.

Erheblich höher war die Zahl der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des MfS in Neubrandenburg. Ohne Gesellschaftliche Mitarbeiter für Sicherheit (GMS) waren insgesamt 4.695 Menschen am 30. Juni 1989 zur Inoffiziellen Mitarbeit mit dem MfS verpflichtet. Die einzelnen Abteilungen und Referate der Bezirksverwaltung des MfS in Neubrandenburg führten direkt alleine 1.674 Inoffizielle Mitarbeiter. Für die Abteilungen II, XVIII sowie XX der Stasi-Bezirksverwaltung waren 188, 266 bzw. 263 Inoffizielle Mitarbeiter tätig.

Den jeweiligen territorialen Gegebenheiten entsprechend schwankte die Mitarbeiteranzahl in den Kreisdienststellen zwischen 61 Mitarbeitern in der Kreisdienststelle der Bezirksstadt und je 26 in der KD Röbel und der KD Altentreptow. Für die 14 Kreisdienststellen (KD) im Bezirk Neubrandenburg arbeiteten 3.048 IM, wobei 343 IM in der Bezirksstadt tätig waren, im Kreis Röbel als bevölkerungsärmstem Kreis waren 12 IM im Einsatz für das MfS.1


Altentreptow 22.950 Einwohner 26 hauptamtliche Mitarbeiter 179 Inoffizielle Mitarbeiter
Anklam 38.836 Einwohner 31 hauptamtliche Mitarbeiter 216 Inoffizielle Mitarbeiter
Demmin 44.474 Einwohner 32 hauptamtliche Mitarbeiter 188 Inoffizielle Mitarbeiter
Malchin 39.657 Einwohner 34 hauptamtliche Mitarbeiter 183 Inoffizielle Mitarbeiter
Neubrandenburg 118.237 Einwohner 61 hauptamtliche Mitarbeiter 343 Inoffizielle Mitarbeiter
Neustrelitz 54.693 Einwohner 39 hauptamtliche Mitarbeiter 260 Inoffizielle Mitarbeiter
Pasewalk 42.560 Einwohner 33 hauptamtliche Mitarbeiter 239 Inoffizielle Mitarbeiter
Prenzlau 43.552 Einwohner 36 hauptamtliche Mitarbeiter 225 Inoffizielle Mitarbeiter
Röbel 17.694 Einwohner 26 hauptamtliche Mitarbeiter 127 Inoffizielle Mitarbeiter
Strasburg 24.772 Einwohner 27 hauptamtliche Mitarbeiter 169 Inoffizielle Mitarbeiter
Templin 35.538 Einwohner 34 hauptamtliche Mitarbeiter 189 Inoffizielle Mitarbeiter
Teterow 31.419 Einwohner 28 hauptamtliche Mitarbeiter 204 Inoffizielle Mitarbeiter
Ueckermünde 51.058 Einwohner 36 hauptamtliche Mitarbeiter 259 Inoffizielle Mitarbeiter
Waren 54.047 Einwohner 35 hauptamtliche Mitarbeiter 267 Inoffizielle Mitarbeiter





1 Andreas Niemann, Walter Süß, "Gegen das Volk kann nichts mehr entschieden werden", MfS und SED im Bezirk Neubrandenburg, BStU, Berlin 1996. S. 12, 13; Die Angaben der MA Abt. IX, Frank Joestel (Hg.), Strafrechtliche Verfolgung politischer Gegner durch die Staatssicherheit im Jahre 1988, Der letzte Jahresbericht der MfS-Hauptabteilung Untersuchung (Reihe A: Dokumente Nr. 1/2003), BStU, Berlin 2003, S. 105.; Die Angaben der MA Abt. XIV, Johannes Beleites, Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS-Handbuch) BStU (Hrsg.), Berlin 2009, S.56.; Die Bevölkerungszahlen nach, Mecklemburgisches Landesarchiv Schwerin, Bestand, Büro des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Neubrandenburg, Bündel 29425, o. Pag., Hauptamtlichen- bzw. IM-Zahlen zusammengestellt nach, "Übersicht-Stellenplanauslastung Stand 1.10.89", BStU, Ast Nbg., BdL, SbA, Bd. I, S. 68 f.; "IM-Bestandsentwicklung"; BStU, Ast Nbg., AKG, S. 70.






Richard Horn war von 1952 bis 1953 für das MfS der erste Leiter der Bezirksverwaltung in Neubrandenburg. Der Oberstleutnant Gustav Schkopik von 1953 bis 1957. Folgend Gustav Szinda ab 1957 bis 1965. Alfred Böhm im Rang eines Generalmajors war von 1965 bis 1977 Leiter der BV. Ebenfalls im Rang eines Generalmajors war Peter Koch von 1977 bis 1989 der letzte Leiter dieser Bezirksverwaltung.3


1989 lebten 619.492 Menschen auf den 10.948 Quadratkilometern Neubrandenburgs. Sas waren etwa 4 Prozent der Bevölkerung in der DDR, und hatte somit die geringste Bevölkerungsdichte aller Bezirke, wobei Röbel mit 17.694 Einwohnern der bevölkerungsärmste Kreis war. Der Bezirk gliederte sich in 14 Landkreise, 1 Stadtkreis, 33 Städte, 18 Stadtgemeinden, 459 Gemeinden und 1394 Ortsteile. Rund 62 Prozent der Bewohner des Bezirks lebten im Jahr 1989 in den 33 Städten, der Rest in den Landgemeinden. Die größten Städte waren mit 118.237 Einwohnern Neubrandenburg, Neustrelitz (54.639), Waren (54.047), Prenzlau (43.552) und Pasewalk (42.560). Die volkswirtschaftliche Bedeutung Neubrandenburg lag weit hinter der anderer Bezirke in der DDR. Der Bezirk war Landwirtschaftlich geprägt und rangierte mit einem Anteil von 1,9 Prozent an letzter Stelle der Bezirke in der industriellen Bruttoproduktion der DDR und spielte lediglich als Nahrungsmittelproduzent eine nennenswerte Rolle. In Neubrandenburg befanden sich eine Vielzahl wichtiger militärischer Einrichtungen in der DDR, u. a. die Verbände der 2. Gardegrenzarmee der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, Bestände der 3. Luftverteidigungsdivision der NVA, die 9. Panzerdivision der NVA, der Sitz des Kommandos des Militärbezirks V, die Panzerreperaturwerke Neubrandenburg (RWN) mit Betriebsteilen in den Kreisen Teterow und Gützow sowie die Schiffswerft in Rechlin.







Willi Wiebershausen war von 1952 bis 1953 der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung (BL) in Neubrandenburg. In der Nachfolge von 1953 bis 1960 übte diese Funktion Max Steffen aus. Von 1960 bis 1963 übernahm Georg Ewald das Amt des 1. Sekretärs der Bezirksleitung Neubrandenburg für die SED. Von 1963 bis 1989 war der Funktionär Johannes Chemnitzer 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung und gleichzeitig in der Funktion als Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung (BEL) für Neubrandenburg tätig.4


3 Jens Gieseke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, BStU (Hrsg.), Berlin 1998.
4 Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix (Hg.), Wer war Wer in der DDR?, Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Ch. Links Verlag, Berlin 2010.
Publikationen mit Informationen zu der Bezirksverwaltung des MfS in Neubrandenburg;
Ulrich von Saß, Harriet von Suchodoletz, feindlich-negativ, zur politisch-operativen Arbeit einer Stasi-Zentrale, aus einem Bericht der Arbeitsgruppe zur Untersuchung der nach innen gerichteten Tätigkeit des MfS in den achtziger Jahren im Bezirk Neubrandenburg, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1990.
Andreas Niemann, Walter Süß, "Gegen das Volk kann nichts mehr entschieden werden", MfS und SED im Bezirk Neubrandenburg, BStU, Berlin 1996.
Christoph Wunnicke, Der Bezirk Neubrandenburg im Jahr 1989, Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Schwerin 2010.
Rahel Frank, Martin Klähn, Christoph Wunnicke, Die Auflösung, Das Ende der Staatssicherheit in den drei Nordbezirken, Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Schwerin 2010.