Die Bezirksverwaltung (BV) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Frankfurt (Oder) befand sich in einem Gebäudekomplex des MfS in die Otto-Grotewohl-Straße 53. Für die BV des MfS in Frankfurt (Oder) waren 1989 insgesamt 2.362 hauptamtliche Mitarbeiter und 6.527 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) tätig.1

1989 hatte Frankfurt (Oder) 710.634 Einwohner in 9 Land-, und 3 Stadtkreisen. In den 11 Kreisdienststellen (KD) waren 527 Hauptamtliche Mitarbeiter und 3.973 Inoffizielle Mitarbeiter im Auftrag der BV Frankfurt (Oder) beschäftigt.2




Der erste Leiter der Bezirksverwaltung des MfS in Frankfurt (Oder) war von 1954 bis 1960 Helmut Grubert, der auch gleichzeitig Mitglied der SED-Bezirksleitung (BL) für den Bezirk war. Gerhard Neiber von 1960 bis 16. Februar 1979. Als Leiter der BV war er von 1961 bis 1980 wie alle ihm folgenden Leiter der BV auch gleichzeitig Mitglied der SED-BL in Frankfurt (Oder). Danach übernahm Herbert Stöß die Tätigkeit als Leiter der BV von 1980 bis 1987. Der letzte Leiter der BV des MfS in Frankfurt (Oder) war von 1987 bis zu seiner Entlassung 1989 Heinz Engelhardt im Rang eines Generalmajors.3




Der Leitungsstab der BV des MfS in Frankfurt (Oder) wurde 1989 durch den Leiter Generalmajor Heinz Engelhardt und durch die Stellvertreter des Leiters sowie Offiziere für Sonderaufgaben und persönliche Referenten gebildet.

Heinz Engelhardt unterstanden direkt die Abteilungen XII (3 Ref. 24 MA (1 HIM)), KuSch (6 Ref. 47 MA, davon 2 OibE), Finanzen (2 Ref. 14 MA), Med.-Dienst (5 Ref. 30 MA), AGL, AKG (4 Arbeitsbereiche 2 Ref. 42 MA), WSE (8 Züge, 62 MA und 228 Unteroffiziere auf Zeit), WID (Objekt I und II, 39 MA), der Apparat der Leitung der SED-Parteiorganisation (8 MA) sowie die Leiter der 11 KD (527 MA, davon 184 IM-führend, 12 OibE, 22 HIM).


Oberstleutnant Gerhard Radziey war der 1. Stellvertreter Operativ des Leiters sowie gleichzeitig Leiter der Abteilungen XVIII (7 Ref., 52 MA, davon 25 IM-führende MA, 3 OibE, 1 HIM), XIX (4 Ref. 34 MA, davon 17 IM-führend, 2 OibE, 3HIM), XX (5 Ref. 43 MA, davon 22 IM-führend, 1 HIM) und die AGG (6 MA).

Oberstleutnant Gerhard Weckener war der Stellvertreter Operativ des Leiters der BV. Ihm waren die Abteilungen II (7. Ref. 66 MA, davon 31 IM-führend, 3 HIM), M (9 Ref. 96 MA, davon 1 IM-führend), VI (4 Ref. und 1 Objekt, 51 MA, davon 8 IM-führend, 4 OibE, 1 HIM), PKE (219 MA), VII (4 Ref. 23 MA, davon 10 IM-führend, 1 OibE, 1 HIM), VIII (7 Ref. 123 MA, davon 5 IM-führend, 3 OibE, 6 HIM), AG XXII (7 MA, davon 3 IM-führend), BKG (2 Ref. 11 MA, davon 4 IM-führend, 1 OibE) und die SR AWK (5 MA, davon 3 IM-führend) unterstellt.
Der Stellvertreter für die Aufklärung und Leiter der Abt. XV (6 Ref. 50 MA, davon 17 IM-führend) war Oberst Günther Walter.

 

Der Stellvertreter für operative Technik und Sichcherstellung Oberst Karl-Heinz Moldenhauer. Er leitete unmittelbar die Abteilungen III (3 Ref. 27 MA, davon 2 IM-führend), OT (2 Ref. 11 MA), N (5 Ref. 65 MA, davon 1 IM-führend), XI (1 Ref. 11 MA, davon 4 IM-führend), SR BCD (10 MA), RD (13 Ref. 200 MA), BdL (4 Ref. 25 MA) und das Selbständige Referat -8- Verwaltung und Betreuung von Objekten (6 Objekte, 31 MA, davon 7 IM-führend). Gleichzeitig war er auch der Beauftragte für Neuererwesen.

 

Die eigene Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS in Frankfurt (Oder) unter der Leitung der Abt. XIV unterstand direkt dem Leiter der BV und hatte in 7 aufgabenbezogenen Referaten 49 Hauptamliche Mitarbeiter im Einsatz. Die Abt. IX, die Untersuchungsabteilung des MfS in der UHA mit 42 Mitarbeitern (davon 2 OibE) in 6 Referaten arbeitend, unterstand ebenfalls direkt dem Leiter Heinz Engelhardt.4





Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 1
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 2
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 3
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 4
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 5
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 6
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 7
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 8
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 9
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 10
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 11
Stasi 50a Raum 213 - 215, Bild 12




1 Die Angaben zur Gesamtanzahl Hauptamtlicher Mitarbeiter der BV, Vgl. Jens Gieseke, Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin 1996, Statistischer Anhang S. 101.
Die Angaben Inoffizielle Mitarbeiter der BV des MfS in Frankfurt (Oder) zu den insgesamt 6.527 IM bestehend aus 3.209 IMS, 219 IMB, 505 IME, 195 FIM, 1.203 IMK/KW/KO, 233 IMK/DA/DT/ S und 963 GMS mit Stichtag vom 30.10.1989, Vgl. Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Berlin 2008, S. 416.
2 Die 11 KD in Frankfurt (Oder) waren in Frankfurt Stadt, Angemünde, Bad Freienwalde, Beeskow, Bernau, Eberswalde, Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Schwedt, Seelow und Strausberg.
Gesamtanzahl 527 Hauptamtlicher Mitarbeiter in den 11 KD des MfS (Frankfurt-Stadt, Angermünde, Bad Freienwalde, Beeskow, Bernau, Eberswalde, Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Schwedt, Seelow und Strasberg) in Frankfurt (Oder) mit Stichtag 31.12.1989, Vgl. Roger Engelmann, Bernd Florath, Helge Heidemmeyer, Daniela Münkel, Arno Polzin, Walter Süß, Das MfS-Lexikon, Begriffe, Personen und Strukturen der Staatssicherheit der DDR, Berlin 2012, Dokumentenanhang S. 399.
Angabe der Inoffiziellen Mitarbeiter in den 11 KD zur Anzahl 3.973 sind bestehend aus 1.987 IMS, 104 IMB, 325 IME, 134 FIM, 637 IMK/KW/KO, 83 IMK/DA/DT/ S und 703 GMS mit Stichtag 30.10.1989, Vgl. Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Berlin 2008, S. 478.
3
Jens Giesecke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin 2012; Heinz Engelhardt war von Dezember 1989 bis Januar 1990 dann Leiter des Amtes für Nationale Sicherheit (AfNS) als Folgeorganisation des MfS der DDR tätig. Nach dem Beschluß zu Auflösung des AfNS ab Mai 1990 Tätigkeit als Berater in der Regierungskommission zur Auflösung des AfNS.
4 Die Angaben zur Struktur und der Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter zu der BV, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Arbeitsmappe der BStU-Außenstelle Frankfurt (Oder) 2002, S. 5.





1989 waren in den 11 Kreisdienststellen des Bezirkes 3.973 Inoffizielle Mitarbeiter dem MfS verpflichtet tätig. Die 11 Kreisdienststellen (KD) der BV des MfS in Frankfurt (Oder) wurden in 7 Kreisen und in 2 der 3 kreisfreien Städte des Bezirkes in: Frankfurt Stadt, Angemünde, Bad Freienwalde, Beeskow, Bernau, Eberswalde, Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde, Schwedt, Seelow und Strausberg betrieben.5


KD Frankfurt Stadt 254 IM
KD Angemünde 386 IM
KD Bad Freienwalde 274 IM
KD Beeskow 224 IM
KD Bernau 495 IM
KD Eberswalde 397 IM
KD Eisenhüttenstadt 556 IM
KD Fürstenwalde 502 IM
KD Schwedt 433 IM
KD Seelow 315 IM
KD Strausberg 370 IM



5 Die Angaben zu den IM der 11 KD Gesamtanzahl einschließlich IMS, IMB, IME, FIM, IMK/KW/KO, IMK/DA/DT/ S und GMS mit dem Stichtag vom 30.10.1988, Vgl. Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Berlin 2008, Frankfurt Stadt S. 504, Angemünde S. 481, Bad Freienwalde S. 485, Beeskow S. 488, Bernau S. 492, Eberswalde S. 495, Eisenhüttenstadt S. 501, Fürstenwalde S. 507, Schwedt S. 510, Seelow S. 514 und Strausberg S. 518; Die Differenzen nach einer Einzelsummierung und Gegenrechnung der angegebenen Anzahl zu den MA, IM in BV und KD ergeben sich durch unterschiedliche Stichtage von Zählungen in zur verschiedenen zur Verfügung stehenden Materialien. Die Zahlen zu der Anzahl MA der BV Gesamt mit Stichtag 31.10.1989 siehe Dokumententeil (Die Hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS S. 111), die Anzahl MA der KD mit Stichtag 31.12.1989 (MfS-Lexikon S. 399) und der Anzahl MA in in der Struktur zur BV mit Stichtag 31.12.1988 (Materialien BStU-Außenstelle Frankfurt (Oder) sowie die Angaben zur Anzahl von IM mit Stichtag 30. 10. 1989 (IM, Statistiken) entnommen.





Publikation: Justus Werdin (Hrsg.), Unter uns: Die STASI, Berichte der Bürgerkomitees zur Auflösung der Staatssicherheit im Bezirk Frankfurt Oder, Basis Druck, Berlin 1990; Reinhard Kusch, Kollaps ohne Argonie, Das Ende des SED-Regimes im Bezirk Frankfurt (Oder), Verlag Die Furt, Museum Viadrina (Hrsg.) Frankfurt (Oder) 1999; Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Arbeitsmappe mit Materialien der BStU-Außenstelle Frankfurt (Oder) 2002; Peter Hellström, Die Postkontrolle der Staatssicherheit, Aus Sicht eines Zeitzeugen, morgana-edition, Berlin 2011.