Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der Deutschen Demokratischen Republik











Walter Janka


Walter Janka:

Walter Janka gehört zu den prominenten reformkommunistischen Intellektuellen, die nach dem XX. Parteitag in Moskau (Februar 1956) eine Demokratisierung in der DDR verlangten.

1914 in Chemnitz geboren, erlernte er zunächst den Beruf des Schriftsetzers. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kam er aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in das Zuchthaus Bautzen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen.

Nach seiner Ausweisung aus Deutschland leistete er 1935/36 illegale Arbeit in Ostpreußen und beteiligte sich 1936-39 in den Internationalen Brigaden am Spanischen Bürgerkrieg.
Von 1939-41 war er in Frankreich interniert, von wo aus er mit dem KPD-Funktionär Paul Merker schließlich nach Mexiko floh. Dort war er Mitbegründer der Bewegung und der Zeitschrift "Freies Deutschland". 1947 kehrte Janka nach Deutschland zurück, wo er Mitarbeiter im zentralen Parteiapparat der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und von 1948-50 Generaldirektor der (ost-)Deutschen Film AG (DEFA) wurde.

1951 wechselte er in den Aufbau Verlag, dessen Leitung er 1952 übernahm. In dieser Eigenschaft hatte er Kontakt zu führenden deutschen Intellektuellen wie Thomas Mann, Bert Brecht oder Anna Seghers.

Im Zuge des „Tauwetters“ in der Sowjetunion beteiligte sich Janka im so genannten Sonntagskreis an Diskussionen über eine grundlegende Reform des Sozialismus in der DDR.

Ende 1956 wurde er deshalb von der Stasi verhaftet und in das so genannte U-Boot in Berlin-Hohenschönhausen eingeliefert. Über ein halbes Jahr lang wurde er dort verhört.

Wegen "Bildung einer konterrevolutionären Gruppe" verurteilte ihn das Oberste Gericht der DDR im Sommer 1957 schließlich zu fünf Jahren Zuchthaus. Anschließend wurde er in das Zuchthaus Bautzen II überstellt, wo er schwer erkrankte.

Internationale Proteste bewirkten 1960 seine vorzeitige Entlassung. Nach zweijähriger Arbeitslosigkeit war er von 1962 bis 1972 als Dramaturg bei der DEFA tätig. Trotz seiner Wiederaufnahme in die SED wurde er weiterhin von der Stasi observiert.

Im Oktober 1989 veröffentlichte er Teile seiner Memoiren in der Bundesrepublik. Eine öffentliche Lesung in Ost-Berlin wurde zum Fanal für die friedliche Revolution in der DDR. Wenig später wurde Janka rehabilitiert. 1990 wurde er Mitglied im Rat der Alten beim Parteivorstand der PDS, die er jedoch bald darauf enttäuscht verließ. Janka starb 1994 in Kleinmachnow bei Berlin.

Literatur:
Janka, W.: Schwierigkeiten mit der Wahrheit (1989).
Janka, W.: Spuren eines Lebens (1991).
Janka, W.: Bis zur Verhaftung. Erinnerungen eines deutschen Verlegers (1993).
Hoeft, Brigitte (Hrsg.): Der Prozess gegen Walter Janka und andere (1990).


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