Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der Deutschen Demokratischen Republik











Siegfried Rataizick


Siegfried Rataizick:

Siegfried Rataizick war von 1963 bis 1989 der Leiter der Abteilung XIV der Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Berlin-Hohenschönhausen

Siegried Rataizick wurde 1931 in Halle (Saale) geboren. Der Pflegevater war Lokführer. Besuch der Volksschule. 1945 Lehre und Arbeit als Klempner, 1950 Kraftfahrer, 1951 Mitglied SED, Einstellung beim Ministerium für Staatssicherheit und Wachmann in der Länderverwaltung Sachsen-Anhalt. 1950 Versetzung zum MfS Berlin zur Abteilung XIV (Untersuchungshaft- und Strafvollzug).

Siegfried Rataizick wurde anfangs in Berlin-Hohenschönhausen im U-Boot der zentralen Untersuchungshaftanstalt des MfS als Wärter eingesetzt. Schrittweise arbeitete er sich zum Sachbearbeiter und folgend dann zum Hauptsachbearbeiter in der Abteilung XIV hoch. 1957 bis 1958 besuchte er die Bezirksparteischule in Bad-Blankenburg und wurde anschließend zum Referatsleiter der Abteilung XIV ernannt. 1962 wurde Siegfried Rataizick zum stellvertretenden Leiter von Hans Bialas befördert.

1963 wurde Siegfried Rataizick der Leiter der Abteilung XIV des MfS in Berlin und damit auch gleichzeitig der Leiter der ihm unterstellten weiteren 15 Untersuchungshaftanstalten (UHA) der Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit der DDR in Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Frankfurt-Oder, Gera, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Neubrandenburg, Potsdam, Rostock, Schwerin und Suhl.

1964 bis 1968 absolvierte er ein Fernstudium der Kriminalistik an der Humbolt-Universität zu Berlin (HU) und wurde Dipl. Kriminalst. 1975 erhielt er vom MfS den Rang eines Oberst. 1984 promovierte er zum Dr. Jur. an der Juristischen Hochschule (JHS) des MfS in Potsdam-Eiche mit dem Thema: "Die aus den politisch-operativen Lagebedingungen und Aufgabenstellungen des MfS resultierenden höheren Anforderungen an die Durchsetzung des Untersuchungshaftvollzugs und deren Verwirklichung in den Untersuchungshaftanstalten des MfS".

Seine Vorgesetzten bescheinigten ihm "Gewissenhaftigkeit" und Kompromisslosigkeit. Er erhielt insgesamt 42 Belobigungen und Auszeichnungen während seiner Karriere beim MfS.

Auf der Dienstkonferenz der Abt. XIV des MfS am 5-6.3.1986 hielt er ein Referat über "Die politisch-operativen Aufgaben zur einheitlichen Durchsetzung der Dienstanweisung 1/86 des Genossen Minister über den Vollzug der Untersuchungshaft und der Gewährleistung der Sicherheit in den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit".

Im Zuge der Auflösung des MfS wurde er 1990 entlassen.

 

Die Zustände in den Untersuchungshaftanstalten und Strafvollzugseinrichtungen des MfS hat er nach dem Zusammenbruch der DDR immer wieder verharmlost und gerechtfertigt, leugnete die Verbrechen an den politischen Häftlingen und diskriminierte und verhöhnte die Opfer. 2002 erklärte er dazu im Tagesspiegel: "Ich möchte keinen Tag missen, würde es jederzeit wieder machen". Im März 2001 unterzeichnete Siegfried Rataizick einen offenen Brief, in dem er und 22 weitere hochrangige ehemalige Stasi-Offiziere die angebliche "Hexenjagd" auf ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit anprangerten. Als einer von neun ehemaligen MfS-Mitarbeitern kam Rataizick 2003 in dem Film "Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde" zu Wort. Siegfried Rataizick ist Mitglied der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung (GRH), in der sich ehemalige MfS-Angehörige und andere DDR-Funktionäre zusammengeschlossen haben.

1 Johannes Beleites, Abteilung XIV : Haftvollzug, (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin 2009, S. 53, 54; Jens Gieseke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg), Berlin 2012; Hubertus Knabe, Die Täter sind unter uns, Über das Schönreden der SED-Diktatur, Propyläen Verlag, Berlin 2007; Roger Engelmann, Bernd Florath, Helge Heidemmeyer, Daniela Münkel, Arno Polzin, Walter Süß, Das MfS-Lexikon, Begriffe, Personen, und Strukturen der Staatssicherheit der DDR, BStU (Hrsg.), Ch. Links Verlag, Berlin 2012, S. 268.


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