Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der Deutschen Demokratischen Republik











Horst Böttger


Horst Böttger:

Forensischer Psychiater im Stasi-Haftkrankenhaus Berlin-Hohenschönhausen

Der „Vernehmer im weißen Kittel“ hat unter dem Vorwand, Kranken zu helfen, jahrelang seine Patienten ausgehorcht und die Informationen an die Staatssicherheit weiter gegeben.

Horst Böttger wuchs als uneheliches Kind ohne Vater in Leipzig auf. Er lernte zunächst den Beruf des Forstfacharbeiters. Bereits früh engagierte er sich in der FDJ, trat mit 18 der SED bei und wurde ehrenamtlicher Parteisekretär. 1956 trat er in den Dienst der Erfurter Bereitschaftspolizei, die ihn nach der Grundausbildung an die Medizinische Schule des Innenministeriums nach Leipzig schickte. Die Ausbildung zum Krankenpfleger schloss er mit der Note gut ab. Nach Antritt seines Wehrdienstes bei der NVA verpflichtet sich Böttger freiwillig für zwei Jahre, wurde Unteroffizier des Sanitätsdienstes und bekam 1961 eine Ausbildung zum Arzthelfer.

Für das Studium der Medizin quittierte er den Dienst bei der Bereitschaftspolizei und holte an der Abendschule das für das Studium notwendige Abitur nach.

Nach seinem Medizinstudium in Leipzig und Erfurt verpflichtete er sich Anfang Juli 1971 zu einer Laufbahn als Berufssoldat der Staatssicherheit und absolvierte hierfür eine Ausbildung zum Facharzt der Psychiatrie/Neurologie. In seiner Verpflichtungserklärung erklärte Böttger sich bereit, „mit aller Entschlossenheit den Kampf gegen die Feinde der DDR zu führen“. Ab Januar 1976 wurde Böttger von der Stasi an die Abteilung für forensische Psychiatrie an der Charité delegiert. Er promovierte nicht nur in Medizin, sondern erwarb 1985 an der JHS in Potsdam auch den „Dr. jur.“ mit einer Kollektivdissertation über die Optimierung der Zersetzung unter dem Titel „Die weitere Erhöhung der Effektivität der Vorbeugung und Bekämpfung feindlich-negativer Handlungen durch das MfS“.

Zwischen Januar 1978 und 1988 war er als forensischer Psychiater und Hauptmann der Stasi im zentralen Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen tätig. Als Arzt verstieß er dabei gegen den Eid des Hippokrates, indem er das Vertrauen von Inhaftierten erschlich und im Vertrauen gegebene Informationen an die Untersuchungsführer der Stasi weitergab. 1979 und 1984 erhielt er die Verdienstmedaille der NVA in Bronze bzw. Silber. Anlässlich seines 50. Geburtstages wurde er zudem für die Verdienstmedaille in Gold vorgeschlagen. Die Stasi urteilte hierbei über Böttger, dass er „auch operative Belange“ gebührend berücksichtige und im Bereich der so genannten Staatsverbrechen effektiv mitwirke und an der „Lösung operativer Fragestellungen im Zusammenwirken mit“ den MfS-Vernehmern arbeite.

Ab 1988 arbeitete er als Offizier im besonderen Einsatz (OibE) an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), Sektion Kriminalistik. Im selben Jahr erhielt er den Titel des Medizinalrats verliehen. Zur Begründung hieß es, er habe „zu allen Straftatbeständen und besonders im Bereich der Staatsverbrechen qualifizierte Beurteilungen erarbeitet, welche stets in Inhalt und Form den von Gericht, Staatsanwaltschaft und Untersuchungsorgan gestellten Anforderungen entsprachen. Dabei ist sich Genosse Böttger stets der großen politischen Bedeutung seiner Arbeit bewusst“.

Im Zuge der Abwicklung des in „Amt für Nationale Sicherheit“ umbenannten MfS wurde sein Einsatz an der HU zum 31. Dezember 1989 beendet.


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