Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der Deutschen Demokratischen Republik











Hans Albrecht


Hans Albrecht:

Hans Albrecht war von 1963 bis 1989 Mitglied des Zentralkomitee (ZK) der SED in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und von 1968 bis 1989 der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung im DDR-Bezirk Suhl.

 

Hans Albrecht wurde am 22. November 1919 in Bochum geboren. Sein Vater Bergmann und seine Mutter Hausfrau. Die Eltern waren parteilos. Besuch der Volksschule; 1934-1938 Lehre, von Oktober 1938 bis 1939 Arbeit als Schlosser in Bochum; von Oktober 1939 bis 1945 Wehrmacht, letzter Dienstgrad: Feldwebel; 1945 zwei Wochen in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Rheine und Langensalza; von Mai 1945 bis Oktober 1946 Arbeit als Heizungsmonteur in Leipzig und Leipzig-Wurzen, hier Betriebsratsvorsitzender.

August 1945 Mitglied der SPD. 1945/46 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ortsgruppe Bennewitz und Mitglied des SPD-Kreisvorstandes Grimma. 1946 Mitglied der SED. 1946/47 Instrukteur, dann Abteilungsleiter der Kreisleitung (KL) der SED in Grimma; 1947 Besuch der Bezirksparteischule; 1947-1949 Sekretär der KL Grimma; 1950 einjähriges Studium an der Parteihochschule (PHS) Karl-Marx; 1951/52 der 2. bzw. 1. Sekretär der KL Frankfurt (Oder); 1952-1954 der 1. Sekretär der KL Eberswalde; 1954-1958 der 1. Sekretär der KL Stalinstadt (Eisenhüttenstadt); 1954/55 Fernstudium an der PHS Karl-Marx. Von April 1954 bis Januar 1963 Kandidat, von Januar 1963 bis Dezember 1989 Mitglied des ZK der SED. 1958-1960 Vorsitzender des Bezirkswirtschaftsrates Frankfurt (Oder); 1958-1963 Abgeordneter des Bezirkstages Frankfurt (Oder); von August 1960 bis März 1963 Vorsitzender des Rates des Bezirkes Frankfurt (Oder); 1963-1965 Studium am Industrie-Institut der Bergakademie Freiberg, Abschluß als Dipl.-Ingenieur-Ökonom; von März 1965 bis 1967 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Komitees der ABI; 1967/68 Berater des syrischen Ministerpräsidenten in Damaskus; bis August 1968 Staatssekretär im Komitee der ABI.

Von August 1968 bis 2. November 1989 1. Sekretär der Bezirksleitung (BL) der SED in Suhl. Ab 1970 Mitglied des Präsidiums der Freundschaftsgesellschaft DDR-Arabische Länder; von November 1971 bis November 1989 Mitglied der Volkskammer; 1972 bis November 1989 Mitglied des Nationalen Verteidigungsrates; am 3. Dezember 1989 aus dem ZK und der SED ausgeschlossen.

Vom 2.12.1989 bis 14.11.1990 wegen des Verdachts des Amtsmißbrauchs und der Untreue in Untersuchungshaft. Am 16.7.1990 die Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Suhl. Gegenstand des Verfahrens waren umfangreiche Aus- und Umbauarbeiten am Privatbungalow Albrechts und am Wohnhaus von dessen Schwiegermutter sowie am Gästeheim des Rates des Bezirkes "Haus Suhl" in Oberhof, außerdem die Entnahme von Kantinen- und Küchenwaren aus dem Gästehaus "Spitzeberg" der BL in die Privatwohnung. Am 16.10.1992 Verurteilung durch das Bezirksgericht Meiningen zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung wegen Anstiftung zur Untreue im schweren Fall und vorsätzlichen unbefugten Waffenbesitzes. Da zu diesem Zeitpunkt bereits die Hälfte der Strafe in Untersuchungshaft verbüßt war, wurde am 1.2.1993 die Aussetzung der Vollstreckung des Strafrestes zur Bewährung mit einer Bewährungszeit von drei Jahren beschlossen.

Vom 21.5.1991 bis 23.12.1991 im Zusammenhang mit den Todesschüssen an der Grenze erneut in Untersuchungshaft, jedoch aus gesundheitlichen Gründen eine Haftverschonung erreicht. Am 10.5.1992 die Anklage durch die Staatsanwaltschaft II beim Landgericht Berlin wegen Anstiftung zum Totschlag. Am 19.10.1992 die Eröffnung des Hauptverfahrens durch das Landgericht Berlin. Gegenstand des Prozesses waren sechs Einzelfälle an der deutsch-deutschen Grenze. Am 16.9.1993 von der 27. großen Strafkammer des Landgerichtes Berlin wegen Beihilfe zum Totschlag zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Am 26.7.1994 durch Revisionsurteil des 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofes wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und einem Monat ohne Bewährung verurteilt. Am 13.10.1994 wurde die Vollstreckung der Haftstrafe vom Bundesverfassungsgericht bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde ausgesetzt. Am 24.10.1996 dann die Zurückweisung der Verfassungsbeschwerde durch das Bundesverfassungsgericht und anschließende Haft in Berlin. Gestorben am 27. März 2008 in Berlin.1

 

1 Vgl. Mario Niemann, Andreas Herbst (Hrsg.), SED-Kader — Die mittlere Ebene, Biographisches Lexikon der Sekretäre der Landes- und Bezirksleitungen, der Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Räte der Bezirke 1946 bis 1989, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010, S. 88, 89.


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